Das eine tun, ohne das andere zu lassen

Published28. Februar 2026

AuthorJörg Frenzel

Wie ist der Wedeler Katastrophen-Etat zu sanieren? Zumindest verbal hat Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto die Sache erfasst. Drei Ansätze hatte sie bei der Haushalts-Ratssitzung erwähnt. Das Konnexitätsprinzip müsse eingeführt werden, jene Regelung, nach der Bund und Land Leistungen selbst bezahlen, wenn sie sie anordnen und nicht etwa die Kommunen. Die Ansiedlung von Unternehmen sei ein weiterer Ansatzpunkt. Und Haushaltskonsolidierung, also sparen, der dritte.

Jedoch: Aufs Konnexitätsprinzip hat eine in Land und Bund wohl eher unbedeutende Wedeler Bürgermeisterin so ziemlich gar keinen Einfluss. Selbst wenn sie ihr Gewicht als CDU-Mitglied in die Waagschale wirft, wird sie keinen Ministerpräsidenten Günther oder gar Kanzler Merz beeindrucken, wenn sie fordert: „Wer bestellt, muss auch bezahlen“. Deren Karawanen ziehen einfach weiter.

Dann die Ansiedlung von Unternehmen. Dazu bedarf es einer kreativen städtischen Wirtschaftsförderung. Wie weit es in Wedel damit her ist, lässt sich erahnen, wenn man die großen Brachflächen im vor x Jahren eröffneten Elbe-Businesspark sieht. Oder den seit Jahren verwaisten Schulauer Hafen. Oder die träge vor sich hin dümpelnden Bemühungen für ein Gründerzentrum. Oder auch Tatsachen wie jene, dass eine neue bei der Firma medac ausgegründete Firma mit Millionenumsatz nicht etwa in Wedel geblieben, sondern gleich mal nach Elmshorn gezogen ist. Womöglich wird die Wirtschaftsförderung wieder 1000 Gründe anführen, warum das leider alles nicht ging – aber es sind halt Tatsachen. Vielleicht ein Anlass, bei der Erarbeitung des neuen Wirtschaftsförderungskonzepts auch gleich mal übers Personal nachzudenken.

Aber selbst wenn die Hoffnung auf neue Unternehmen zuletzt stirbt, sind Ansiedlungen eher mittelfristig wirksam, weil neue Firmen nach Umzügen meist auch Kosten vorweisen können, die Gewerbesteuer-Zahlungen schmälern.

Aber nehmen wir mal an, es geschieht ein Wunder und Wedels Wirtschaftsförderung performt plötzlich doch – auch das hilft nicht aus dem aktuellen Defizit. Jeder Euro ist kostbar. Eisernes Sparen ist angesagt. Dabei darf das Personal kein Tabu-Thema sein. Natürlich soll möglichst niemand rausgeschmissen werden, andererseits ist die Stadt auch nicht verpflichtet, jeden Mitarbeiter auf ewig zu beschäftigen. Manche kündigen sogar selbst.

Und wenn man Situationen sieht, wie jene, dass bei der kürzlichen Einweihung von Schlichtwohnungen in der Gärtnerstraße  gleich sechs (oder waren es gar sieben?) Verwaltungsmitarbeitende die Zeit hatten, ein gutes Stündchen lang ein Band zu zerschneiden, einen Blick in die Wohnungen zu werfen, einen guten Eindruck auf dem Gruppenfoto für die Presse zu machen und nebenbei ein Käffchen zu trinken, fragt man sich doch, ob mancher – insbesondere aus dem Bauamt – am Schreibtisch nicht besser aufgehoben wäre, um sich mit heiß ersehnten Baugenehmigungen zu beschäftigen.

Also: Das eine tun, nämlich Gewerbe nach Wedel holen, beziehungsweise wirkliche Chancen für Erweiterungen öffnen. Und das andere nicht lassen, nämlich Personal effektiv einsetzen.

Kommentar zu; Haushalts-Krise: „Alle müssen Kröten schlucken“

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