Bildung und Haltung gegen Vandalismus
7. April 2026
Jörg Frenzel
Kommentar zu: Das Spielplatz-Vandalismus-Problem
Man muss nicht immer der gleichen Meinung sein wie Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto. Aber diesmal hat sie nun wirklich recht. Harsch verurteilte sie die Tatsache, dass auf einem Spielplatz die Stützpfeiler einer Schaukel angesägt wurde und damit diejenigen, die das verbrochen haben. Strafanzeige ist gestellt – gut so.
Die Polizei wird aller Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, dass es sich bei den Tätern nicht um russische Saboteure handelt, die hybride Kriegsführung jetzt auch auf unsere Spielplätze tragen, sondern wohl eher, dass es sich um Inländer handelt. Vielleicht einen schräg-skrupellosen Nachbarn, der vom Kinderlachen genervt ist, oder – wahrscheinlicher- intellektuell defizitäre Jugendliche mit einer perversen Auffassung davon, was witzig ist.
Auf jeden Fall kann man sie als Asoziale bezeichnen, denn sie schaden der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht. Zum einen verursachen sie unnötige Kosten und das Geld für die Reparatur hätte woanders besser ausgegeben werden können. Und zum anderen gefährden sie Kinder, rauben ihnen zumindest Spaß und Lebensqualität.
(A-)Sozialverhalten beginnt aber schon viel früher in milderer Form und andernorts, wenn sich das Individuum auslebt und die Allgemeinheit zumindest nervt: Nahezu kein Telefon-Schaltkasten, kein Spielgerät, keine Sitzbank und keine Bushaltestelle mehr ohne Grafitti bestehend aus mysteriösen Namenskürzeln oder Farb-Flächen in Fußballverein-Couleur. Kaum Laternenmasten, Mülleimer oder Ampeln ganz ohne Agitprop-Aufkleber. Dafür fast dauerhaft Sperrmüll-Haufen rund um bestimmte Papier- und Glascontainer.
Was bei allen Urheberinnen und Urhebern dieser Dinge zu fehlen scheint, sind das Wissen und wohl auch das Gefühl dafür, wie man sich anständig verhält. In dem Satz: „So etwas macht man nicht.“ kann es zusammengefasst werden.
Ja, das klingt vielleicht etwas altbacken. Aber der Kern bleibt doch: Man sollte etwas dann nicht machen, wenn es irgendwie schädlich oder belästigend für andere aus der Allgemeinheit wirkt.
Viel Wissen um anständiges Sozialverhalten ist verloren gegangen oder wird ignoriert – aus Bequemlichkeit oder weil die Anständigen sich nicht wehren. Um Besserung zu erreichen, muss es also einseits wieder vermittelt werden beispielsweise in Kitas, Schulen, Jugendtreffs und am besten den Eltern gleich mit. Zum anderen sind Haltung und Courage der Anständigen erforderlich, die Unanständigen in die Schranken zu weisen, sobald sie eines Vorfalls gewahr werden. Hingucken, unterbunden oder Polizei rufen, wenn man sich selbst nicht stark genug fühlt.
Denn Wegsehen, in diesen Fällen unpassende Toleranz und Laissez-faire haben die Gesellschaft und das Stadtbild so werden lassen, wie es ist. Vom Grafitto bis zur angesägten Schaukel.


