Wohin mit der Elbschule? Streit in der Politik – doch die Zeit drängt
Mitte 2027 muss die Privatschule ihr Domizil räumen. Vorschlag von CDU und WSI stößt auf Kritik
15. Februar 2026
Uwe Heitmann

Elbschule Tor(1)
Offene Türen oder vergitterte Zukunft? Der Rat wird zur Elbschule entscheiden.
Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorf-Pädagogik, prägte einen schönen Erziehungs-Lehrsatz: „Solange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln – sind sie älter, gib ihnen Flügel.“ Ganz große Flügel wird möglicherweise die nach Steiners Prinzipien unterrichtende Elbschule in Wedel brauchen. Denn obwohl seit Jahren feststeht, dass die aufstrebende Privatschule nicht mehr lange am Standort Mühlenweg bleiben kann, hat die Stadt immer noch keine Perspektive für eine neue Heimat aufgezeigt. Das Zeitfenster für einen Umzug schließt sich immer mehr – und ein Wegzug aus der Rolandstadt wird nicht mehr ausgeschlossen.
„Positive Entwicklung“
Allerdings ist jetzt Bewegung in die Diskussion gekommen. Der Bildungsausschuss begrüßte in Anwesenheit von Vertretern der Elbschule in der abgelaufenen Woche einstimmig die „positive Entwicklung“ der 2023 eröffneten Einrichtung mit derzeit rund 170 Schülern (davon etwa 100 aus Wedel) und betonte, man unterstütze „den langfristigen Verbleib“ in der Stadt. Mit dieser eher vagen Proklamation wurde allerdings nur mühsam ein handfester Streit in der Standortfrage übertüncht.
Auslöser ist ein gemeinsamer Antrag von CDU und WSI (Wedeler Soziale Initiative). Nach ihren Vorstellungen soll der Elbschule das Gelände des jetzigen Förderzentrums in der Pestalozzischule per Erbbaurechts- und Pachtvertrag überlassen werden. In Eigenregie und auf eigene Rechnung könnte der Trägerverein der Privatschule dort dann die bestehenden Gebäude abreißen und einen Neubau inklusive einer Sporthalle realisieren. Für die aktuellen Nutzer solle die Verwaltung an anderer Stelle Räumlichkeiten suchen.
„Stärkung der Schullandschaft“
Das Neubau-Vorhaben stärke jedenfalls „die gesamte Wedeler Schullandschaft und sichert die pädagogische Vielfalt dauerhaft ab“, so die Fraktionsvorsitzenden Jan Lüchau (CDU) und Angela Drewes (WSI) in einer gemeinsamen Erklärung. Außerdem werde der städtische Haushalt um bis zu 500.000 Euro jährlich entlastet. Denn die laufenden Erhaltungskosten für das aktuelle Gebäude fielen dadurch weg. Und auch die Pachteinnahmen hätten einen positiven Einfluss auf die städtischen Finanzen.
Ähnlich überzeugt von einem „Win-Win“ für alle Seiten sind andere Fraktionen allerdings nicht. So haben die Grünen einen umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung ausgearbeitet. Sie monieren unter anderem, dass vorab offenbar nicht mit den betroffenen Nutzern der Pestalozzischule (unter anderem Förderzentrum und AWO) gesprochen worden sei. Außerdem wollen sie wissen, ob das Gelände überhaupt verkauft oder verpachtet werden dürfe, da doch die Stadt Schulträger des Förderzentrums sei. Darüber hinaus erinnern die Grünen daran, dass die Politik seit Langem eine vierte städtische Grundschule fordere. Diese biete im Gegensatz zur privaten Elbschule kostenfreien Unterricht. Sie wollen wissen, welchen Einfluss die Überlassung des Pestalozzi-Grundstücks an die Elbschule für die Einrichtung weiterer öffentlicher Schulangebote hätte.
Wohin mit dem Förderzentrum?
Auch die FDP hat Beratungsbedarf. Sie erinnert daran, dass die Stadt nicht der Schulträger der privaten Elbschule sei. Derweil stünden die eigenen öffentlichen Schulen „vor immensen Aufgaben und Investitionen“. Die Liberalen wollen unter anderem wissen, wohin denn das Förderzentrum überhaupt verlegt werden könne. Und wie es mit eventuellen Kündigungszeiten aussehe.
Fest steht, dass alle diese Fragen schnell geklärt werden müssen, um eine Entscheidungsgrundlage für die Zukunft der Elbschule zu schaffen. Ende August 2027 muss die Bildungseinrichtung laut dem gekündigten Mietvertrag ihre Räume am Mühlenweg verlassen. Für den Abriss bestehender Gebäude und den kompletten Neubau an einem Alternativ-Standort veranschlagt der Trägerverein eine Zeit von zehn Monaten. Im Sommer dieses Jahres müsste also der Startschuss erfolgen. Wenn es nach CDU und WSI geht, soll der Wedeler Rat in seiner Sitzung am 26. Februar dafür die Weichen stellen. WSI-Fraktionschefin Angela Drewes im Gespräch mit Wedel-Klartext: „Wir können die Elbschule jetzt nicht mehr länger hinhalten. Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei.“







