Kästner-Matinee: Von Frauen und Männern

Wedeler Musiktage mit Schauspielerin Claudia Michelsen und Gitarrist Frank Fröhlich

Published14. September 2026

AuthorUlrich Bohling

Bohling

Claudia Michelsen und Frank Fröhlich bei der Kästner Lesung._2_a

Wurden mit viel Applaus belohnt: Claudia Michelsen in Begleitung von Frank Fröhlich. Foto: Bohling

„Als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden. Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.“ So beginnt eines der Gedichte, die Erich Kästner unter anderem in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts schrieb und die jetzt bei den Wedeler Musiktagen vorgetragen wurden. Die musikalische Lesung unter dem Titel „Plädoyer einer Frau“gestaltete Claudia Michelsen in Begleitung von Frank Fröhlich.

Fernsehzuschauer kennen Michelsen als starke Polizeiruf-Kommissarin oder mütterliche Tanzschul-Matriarchin aus der Ku‘damm-Reihe. Nun gastierte sie im Rahmen der Wedeler Musiktage mit Kästners Liebes-Elegien erstmals im Theater Wedel. An ihrer Seite: der Dresdener Musiker und Impresario Fröhlich, der die  Texte mit seiner Gitarre und bekannten Melodien kongenial und äußerst unterhaltsam begleitete.

Beziehungen im Mittelpunkt

In den meisten der kurzen Gedichte ging es um die Beziehungen von Frauen und Männern beziehungsweise deren Scheitern. Im Stile der Neuen Sachlichkeit hatte Kästner zahlreiche davon ersonnen und zu Gedichtbänden wie „Herz auf Taille“ oder „Lärm im Spiegel“ verfasst, aus denen Michelsen stimmungsvoll vortrug. Auch fast ein Jahrhundert später berührt Kästners Lyrik die Zuhörer immer noch. Michelsen und Fröhlich touren seit einigen Jahren schon zusammen, und ihre Veranstaltungen sind wie in Wedel durchweg ausgebucht.

Hier gab Michelsen unter anderem einer Bescheid stoßenden Animierdame, einem sich bitter beklagenden Fräulein, einer guten Partie und einer Bilanz ziehenden Mutter ihre Stimme. In klarem Ton, oft ohne Emotion, nur manchmal mit einem bitter-süßen Lächeln um die Mundwinkel machte sie ihren Vortrag zu reinem Hörgenuss. Und Fröhlichs virtuoses Spiel auf seinem Instrument, dem er vielfache Töne entlockte, sorgten wie die Pointen in Kästners Texten für stürmischen Applaus.

Der Draht funktionierte

Dem Publikum gefiel diese Veranstaltung am Sonntagmittag mehr als offensichtlich, und man merkte, dass der „Draht“ zwischen den Vortragenden und den Gästen bestens funktionierte. „Grandios“, „tolle Stimme“ und „perfektes Zusammenspiel“ waren oft gehörte Kommentare seitens der Zuhörer in der Pause.

Fröhlich brachte neben alten Schlagern und Gassenhauern auch selbst Komponiertes zu Gehör und zeigte, dass auch Flamenco-Klänge zu seinem Repertoire gehören. Voller Respekt vor seiner Leistung gab es immer wieder großen Zuspruch. Zum Ende der Vorstellung steigerte sich der Applaus um ein Weiteres, und die Gäste erklatschten sich durch ihren anhaltenden Beifall noch eine Zugabe.

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