Schüler forschen über Jugend in der Nazi-Diktatur
Gedenken an die Opfer des NS-Regimes am 27. Januar in der Stadtbücherei Wedel mit Vorträgen und Swing-Musik
20. Januar 2026
Michael Rahn

27-1-25-HJ-BdM
Freizeit, aber zackig! So lautet der Titel einer Projektarbeit von Schülern in Wedel über die Jugend während der Nazidiktatur von 1933 bis 45. Die Jugendlichen aus der Gebrüder-Humboldt-Schule sowie der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule haben Texte, Bilder und andere Dokumente ausgewertet. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Stadtbücherei während der Gedenkveranstaltung anlässlich des nationalen Gedenktages an die Opfer der NS-Herrschaft am 27. Januar vor.
Der Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit richtet die Gedenkveranstaltung gemeinsam mit der VVN (Vereinigugn der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) sowie der Friedenswekstatt und dem Deutschen Gewerkschaftsbund aus. Die Amschler-Stiftung fördert das Anliegen. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Der Eintritt in der Bücherei am Rosengarten kostet vier, ermäßigt einen Euro. Neben den Schülern beleuchtet Stadtarchivarin Anke Rannegger, was über die Hitlerjugend (HJ) und der Bund deutscher Mädel in Wedel bekannt ist. Der Hamburger Musiker Peter Schenzer wird an die Opfer des Altonaer Blutsonntags erinnern. Für die Swing-Musik, den musikalischen Protest gegen die Marschmusik der NS-Regimes, sorgt die Gruppe „Elbsound 5“ aus Wedel.
„Ist das alles nur Geschichte?“
Wie ging es der Jugend unter der Naziherrschaft – und ist das alles nur Geschichte? Diese Fragen wollen die Schüler und Schülerinnen und alle anderen Vortragenden an diesem Abend beantworten. „Wie in allen autoritären Staaten war den Nazis die Jugend wichtig“, heißt es in der Einladung. „Deshalb begannen sie frühzeitig, für Mädchen und Jungen die Jugendorganisationen BDM und HJ anzubieten, um ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft und Abenteuer in regimetreue Bahnen zu lenken. Sie sollten ideologisch ausgerichtet und vormilitärisch ausgebildet werden – die Jungen für den Kriegsdienst, die Mädchen für die Mutterschaft.“

Das Mahnmal für das Außenkommando Wedel des Konzentrationslagers Neuengamme steht seit 1986 an der Rissener Straße 114-18 (links neben Lidl). Der Gedenkstein des Steinmetz Johannes Sierck ist mit einer Informationstafel des Wedeler Grafikers Jürgen Pieplow versehen.
Die Schüler haben aber auch herausgefunden: „Die anfängliche Begeisterung wich bei Vielen im Laufe der Jahre der Ernüchterung und Ablehnung, als zunehmend deutlich wurde, dass es überhaupt nicht um sie und ihre persönlichen Lebensziele ging. Die Jugend hatte mehr und mehr Schleiferei, Kasernenhof-Drill und zackige
Marschmusik satt.“
Wer nicht (mehr) mitmachen wollte und eine andere Lebensform suchte, fand beispielsweise in der Bewegung für die Swing-Musik einen Platz. Doch das blieb von den Herrschenden nicht unbemerkt. Die Folge: Swing-Musik wurde verboten, viele Anhänger, unter ihnen die „Altonaer Vier“, wurden verurteilt und hingerichtet. Auch daran wollen die Veranstalter erinnern. Sie bitten außerdem jeden darum, an dem Tag, der an die Befreiung des KZ in Auschwitz erinnert, Kerzen am Gedenkstein für die Opfer des Außenlagers von Neuengamme zu entzünden und ein „Licht gegen die Dunkelheit“ zu setzen (Michael Rahn)







