Reepschlägerhaus in Gefahr!

Für Büroräume der Musikschule - Vorlage der Stadtverwaltung bedroht kulturelle Nutzung des denkmalgeschützten Hauses durch Förderkreis

Published14. April 2026

AuthorJörg Frenzel

Fachwerkhaus

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Die Zukunft des Reepschlägerhauses st weiterhin unsicher.

Wer die Beschlussvorlage „BV/2026/026“ der Stadt Wedel betrachtet, für die der Fachdienst Gebäudemanagement verantwortlich zeichnet, kann Sorgen um die kulturelle Vielfalt in der Stadt bekommen. Denn da heißt es: „Der Rat der Stadt Wedel beschließt, die Standortverlegung der Musikschule ins Reepschlägerhaus und eine gemeinsame Nutzung von Unterrichtsräumen an den weiterführenden Schulen….Die alleinige Nutzung des Reepschlägerhauses soll aus Gründen des Datenschutzes, empfindlichen Instrumenten und Musikunterricht ausschließlich der Musikschule vorbehalten sein.“ Wird dies so beschlossen, ist das Reepschlägerhaus in seiner jetzigen Form in Gefahr, denn es bedeutet das Aus für die kulturellen Aktivitäten des Förderkreises Reepschlägerhaus e.V., der seit rund 40 Jahren  das historische Gebäude bespielt.

historische Wohnstube mit Alkoven

Einst ein innenarchitektonisches Juwel – das Reepschlägerhaus zu Zeiten von Werner Wietek. Foto: Aurin

25 bis 30 Kultur-Veranstaltungen im Jahr

Dementsprechend fassungslos sieht man derzeit Vereinsvorsitzende Claudia Klahn und ihre Schar von kulturell engagierten Männern und Frauen. Rund 25 bis 30 Veranstaltungen bringt der Förderkreis Jahr für Jahr auf die Beine, erfreut die Gäste mit Lesungen, Bilder-Ausstellungen und kleinen Konzerten. „Wir fühlen uns von der Verwaltung überrumpelt“, sagte Claudia Klahn. Denn über die Pläne, die erstmals  am Mittwoch, 15. April, ab 19 Uhr im Kulturausschuss diskutiert werden sollen, war der Verein als Mieter und Träger der Veranstaltungen aus dem Rathaus zuvor nicht informiert worden. „Das ist kein guter Stil“, sagt sie. Der Verein hat ob der Ungewissheit für die Zukunft nun erst einmal die Notbremse gezogen und die gesamte Veranstaltungsplanung ausgesetzt.

Garten ist eine Augenweide für die Öffentlichkeit

„Die Musikschule zieht mit Ihrer Verwaltung (3 Personen) in das Reepschlägerhaus“ – außer einem schweren Schlag gegen die Wedeler Kulturszene hätte die Umsetzung dieses Rathaus-Plans noch eine weitere gravierende Konsequenz: Das Gebäude beherbergte jahrzehntelang eine Teestube, in der Menschen jedes Alters schöne Stunden genossen. Und der Garten ist gerade im Frühling durch eine der größten Magnolien in der Stadt eine Augenweide – diese Nutzung durch eine breite Öffentlichkeit ist wohl in Gefahr, wenn das Gebäude allein der Musikschule vorbehalten bleibt – „von kleineren Konzerten sowie einzelnen Unterrichtsstunden der Musikschule“ (Vorlage) einmal abgesehen.

Blumengarten

Das Reepschlägerhaus Wedel im Frühling mit blühender Magnolie (hinten), Japanischer Kirsche und Stiefmütterchen.

Stadt ließ Haus verfallen – Bürgerinitiative rettete es

Dabei hatte die Stadt in der Vergangenheit kein besonders großes Interesse am Haus an den Tag gelegt. „Länger als 10 Jahre danach war das Haus, das seit 1961 der Stadt Wedel gehörte und unter Denkmalschutz steht, dem Verfall preisgegeben. Die Stadt hatte kein Interesse mehr an seiner Rettung und wollte es abreißen lassen oder verkaufen“, heißt es zur Historie auf der Internetseite des Förderkreises. Diese Unterstützer kamen aus einer Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des 1758 als Handwerkerhaus für Seiler errichteten Gebäudes einsetzte. Ursprünglich waren dort Taue für Großsegler hergestellt worden.

Marodes Fachwerkhaus

So traurig sah das Gebäude aus, bevor es saniert wurde. Foto: Stadt Wedel

Seit 1971 kämpften Kunstfreunde wie Ingeborg Hansen, ehemalige Kunstlehrerin am Johann-Rist-Gymnasium, und der ehemalige SPD-Ratsherr und Landtagsabgeordnete Helmut Plüschau für die Rettung des Hauses. Der damalige Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg höchstpersönlich soll sich dafür eingesetzt haben, dass Landeszuschüsse bewilligt wurden, um das Haus Mitte der 70er-Jahre zu sanieren.

Alkoven, Utlucht, Trallentür und Bilegger-Ofen

Die obere Denkmalschutzbehörde frohlockte seinerzeit, denn viele historische Details wie Alkoven, Utlucht, Trallentür und Bilegger-Ofen konnten so bewahrt beziehungsweise vorgezeigt werden. Jahrelang wohnte der Kunstliebhaber und -sammler Werner Wietek im oberen Stockwerk, hegte und pflegte das Kleinod. Es ist immer noch eine gern erzählte Anekdote, wie er die Überschüsse aus seiner Teestube in Form von Hunderten von Hornveilchen und historischen Rosen gleich wieder in seinen zauberhaften Garten pflanzte. Am Rande bemerkt: Es war Wietek, der pflanzte, und nicht der der städtische Bauhof.

Macht die Verwaltung ihr Vorhaben wahr, dürften sich wohl lediglich die drei Musik-Schulverwalterinnen und -verwalter zwischen der Erstellung von Abrechungen und Stundenplänen am Gartenambiente erfreuen dürfen und vielleicht ein paar Schülerinnen und Schüler.

Mann in offener Haustür,

Werner Wietek war der erste Pächter des Reepschlägerhaus. Jahrzehntelang kümmerte er sich liebevoll um Haus und Garten, bis zu seinem Tod am 23. April 2016. Foto: Sabine Skibbe

Aber ganz ausgegoren ist das Verwaltungskonzept offenbar noch nicht. „Eine Genehmigungsfähigkeit der neuen Nutzung in der Form eines Nutzungsänderungsantrags inklusive Brandschutzkonzept und einer Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde muss erfolgen“, heißt es in der Vorlage. Inwieweit die damaligen Landeszuschüsse an ein Gebot gebunden sind, das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Musikschul-Unterricht an den weiterführenden Schulen

Auf Änderungen werden sich nach der Vorlage der Verwaltung auch die Schulen der Stadt einstellen müssen: „Die notwendigen 15 Musik-Unterrichtsräume werden jeweils in einer gemeinsamen Nutzung an den drei weiterführenden Schulen Johann-Rist-Gymnasium, Gebrüder-Humboldt-Schule als auch der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule untergebracht. Die weiterführenden Schulen haben dem Schulträger bereits kommuniziert, dass ab 14:00 Uhr in Abstimmung und ab 16:30 gesichert Musikunterricht stattfinden kann.“

200.000 Euro in einem Nachtragshaushalt

Natürlich hat alles seinen Preis: „Die vorläufigen Kosten für den Umzug der Musikschule ins Reepschlägerhaus und die Ertüchtigung der 15 Räume an den weiterführenden Schulen betragen ca. 200.000,-€. Die Kosten sind für diese haushaltskonsolidierenden Maßnahmen im Haushalt 2026/2027 nicht eingeworben. Sie müssen ggf. im Nachtrag zum Haushalt 2027 eingeworben werden.“

Der Förderkreis lädt alle Reepi-Fans zu Freitag, 24. April, 18 Uhr zu „Chill und Grill“ in den Garten des Hauses, um sich mit ihnen über die derzeitige Situation auszutauschen.

Lesen Sie auch den Kommentar: „Die Reepschlägerhaus-Schnapsidee“

 

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