Möller Technicon – eigenständig statt Stadt-Anhängsel
Der Förderverein von Bildungsstätte und Museum für Technik feierte seine Gründung mit Helfer-Team, Sponsoren und vielen Gästen
1. Januar 2026
Jörg Frenzel
Technicon-Gruendungsfeier-33
Oliver Schulz-Oster ist der Vorsitzende des Fördervereins fürs Technicon. Er wünscht sich nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch durch Man- und Woman-Power.
Dieser Bürokratie-Abbau war mal richtig konsequent: Die Aktiven aus dem Möller Technicon, einer vor rund 20 Jahren gegründeten Institution, die sich um die Bewahrung des industriellen Erbes der Stadt sowie um Kinder-und Jugendbildung kümmert, sagten sich von der Stadtverwaltung Wedel komplett los. Als Unterabteilung des Stadtmuseums wollten sie nicht länger fungieren, weil das auf gleich mehrere Arten Bremsklötze in die Dynamik brachte. Oliver Schulz-Oster, der Vorsitzende des neuen Fördervereins fürs Technicon berichtete: „Als Anhängsel an die Stadt konnten wir Spenden nur unter großen Mühen einwerben. Und unsere Investitionswünsche mussten erst langwierig genehmigt werden“, sagte er bei der Gründungsfeier in der Mensa der Gebrüder-Humboldt-Schule – und Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto ist noch nicht mal sauer darüber. Denn ihre Verwaltung freut sich über weniger Arbeitsaufwand.
Ihnen liegt das Möller Technicon am Herzen, deshalb fördern sie die Einrichtung kräftig: Stadtwerke-Geschäftsführer Jörn Peter Maurer (links) und Familie Inäbnit.
Deshalb bedankte sie sich sehr bei jenem Menschen, der diese Entwicklung durch sein finanzielles Engagement überhaupt erst möglich gemacht hatte: Walter Inäbnit. Der Unternehmer hatte mit J.D.Möller das erste Industrieunternehmen der Stadt gekauft. Mittlerweile ist der Geschäftsbetrieb weiterverkauft, doch der damalige Produktionsstandort an der Rissener Straße wird jetzt zu Wohnraum umgebaut – und es sollen auch neue Ausstellungsräume des Technicon entstehen. Der Technik-Fan Inäbnit engagiert sich finanziell stark, nicht nur weil er seit seiner Kindheit Fotoapparate liebt, sondern auch die Akribie und den Feuereifer, mit denen die „Techniconisten“ um Dr. Gerhard Kuper und Rudolf de Wall nicht nur die Hinterlassenschaften Möllers, sondern auch der AEG und diverser anderer Firmen bewahren.
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Weil das Technicon-Team aber nicht nur museal, sondern auch bei der Bildung in den so wichtigen MINT-Fächern arbeitet, fliegen ihm die Sympathien zu – und auch mancher Förder-Euro. Die Stadtwerke Wedel beispielsweise ermöglichen es einem Jahrgang aus jeder Grundschule, einmal im Jahr das Technicon zu besuchen, um sich dort mit einem Technik-Thema zu beschäftigen und ganz nebenbei noch Spaß zu haben. Der 25er-Jahrgang der Schülerinnen und Schüler durfte Solar-Autos selbst bauen und mit nach Hause nehmen. Die Stadtwerke wollen dieses Konzept weiterverfolgen und auf der Gründungsfeier haben weitere Unternehmen Unterstützung in Aussicht gestellt. Ganz spontan sagte ein Vertreter der Hildegard-Sattelmacher-Stiftung vor versammelter Mannschaft 5000 Euro zu.
- Das Unternehmergenie Johann-Dietrich Möller legte im vorletzten Jahrhundert die Grundlagen für die Industrialisierung in Wedel. Foto: Stadtarchiv
Geld ist aber nicht alles. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind genauso bedeutend. Sie werden gesucht, damit die Einrichtung Technicon auch eine Zukunft hat, sobald die derzeitigen Techniconisten kürzer treten wollen. (Jörg Frenzel)







