Kleiner Hafen, Herz der Stadt, musst jetzt schlafen!
Wedeler komponiert Liebeserklärung an Wedels altem Liegeplatz an der Elbe
31. Januar 2026
Michael Rahn

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Der Gonger (Friesisch: Wiedergänger) steht hier in mittelalterlicher Ritterrüstung an der Hafenkante. Die Anmutung erinnert an den kleinen alten Hafen von Wedel, als noch Segelschiffe hier festmachten. Grafik: KI/Kredo
Musik ist für ihn eine Leidenschaft. Die Stadt Wedel seine Heimat. Kein Wunder, dass seine eigenen Liedertexte oft in seinem Lebensraum spielen. Jetzt nutzt Christian Kreth, den seine Freunde Kredo rufen, die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. So kann er seine Ideen ganz allein am Computer in gängige Musik umwandeln, und das gern äußerst kritisch.
„Vor anderthalb Jahren bin ich bei der Geburtstagsfeier einer Freundin auf die Idee gekommen, diese neuen Techniken auszuprobieren“, erzählt der 55-Jährige. Dort wurde zur Überraschung der anderen Gäste ein Lied gespielt, das mit einem ganz persönlichen Text als Geburtstagsgeschenk gespielt und begeistert gefeiert wurde.
Projekt: „11 Gonger müsst Ihr sein …“
Auch Kredo war von diesem Programm angefixt, die verstaubten Kompositionen von früher wieder rauszuholen. Also setzte sich der Wedeler ran, um diese Form der Musik zu testen. Das lässt ihn seitdem nicht mehr los. Mit der App Suno hat er seitdem zahlreiche Lieder erstellen lassen. Unter dem Namen „11 Gonger müsst Ihr sein …“ sind bislang 13 dieser Songs auf der Internet-Video-Plattform Youtube zu finden. Gonger wird auf Friesisch der in Sagen und Legenden unheimliche Wiedergänger im Watt genannt wird.

Christian Kreth, genannt Kredo, hier vor einer Fotografie, ist nicht nur bei der Musik ein Künstler. Foto: Selbstauslöser
„Ich habe einige Jahre vorher eine Vorlese-Software ausprobiert. Die war grottenschlecht“, erzählt Kredo. Doch, was er jetzt nutzt, begeistert ihn. „Es ist wie ein neues, modernes Instrument“, erklärt Kredo. Die Texte stammen zu 100 Prozent von ihm. Mithilfe von Audio-Dateien füttert und lenkt er die KI mit Melodien und Harmonien. Der schnellste Song war in etwa zwei Wochen fertig, an einigen anderen bastelte der Wedeler auch bis zu drei Monate.
Was mit „Kredos kleine Nachtmusik“ begann
Das Programm kann in der einfachen Version umsonst genutzt werden. Doch wer höhere Ansprüche hat, der muss ein wenig áusgeben. Kredo zahlt dafür acht Euro pro Monat. Das Programm, mit dem auch einzelneTöne bearbeitet werden können, kostet dann schon das Dreifache.
Er selbst liebt vor allem Mittelalterrock. Aber wer sich die 13 veröffentlichten Lieder anhört, der findet auch ganz einfache mit akustischer Gitarre begleitete Lieder. Die hat der Wedeler Amateur-Musiker früher auch selbst gern gespielt. Hunderte Kinder kennen „Kredos kleine Nachtmusik“ vornehmlich von Ferienfreizeiten im Fünf-Städte-Jugendheim in Hörnum auf Sylt.
Als Bassist mit „Selfish“ auf der Bühne des Hafenfestes
In der Wedeler Musikszene spielte er in der Anfangszeit der Wedel-Holm-Hetlinger-Formation „Selfish“ die Bass-Gitarre. Mehrere alte Kompositionen der Gruppe, die noch heute aktiv ist, stammen von ihm. Auch während seines beruflichen Abstechers in Berlin für das Springer-Archiv in Berlin musizierte „Kredo“ in mehreren Bands.
Viele Ideen für eigene Kompositionen aus der aktiven Band-Zeit sind im Kopf oder auf Papier geblieben. „Das ist total spannend, diese Stücke mit neuem Leben zu füllen“, erzählt der Liedermacher aus Leidenschaft und IT-Fachmann im Hauptberuf. Jahrzehntealt ist beispielsweise der Song „Die Neuen“ über die neue Nazi-Generation.

„Kleiner Hafen, Herz der Stadt, musst jetzt schlafen“
Ganz frisch entstanden ist ein Lied über die friesische Tradition „Biike“ an der Nordsee, die Kredo selbst gern mitfeiert. Seine Heimatstadt Wedel steht in drei Texten im Mittelpunkt. „Im Herzen“ entstand in Vorfreude auf ein Klassentreffen. Mit „Ochsendrift“ wird ein Stück Geschichte wachgeküsst, als Wedel der große Marktplatz für Rinder war, die von Skagen bis zum Markt an der Elbe getrieben wurden.
Ein politisches Statement ist im „Herz der Stadt“ zu finden. In diesem Lied hat Kredo sich des Themas angenommen, das in Wedel seit Jahren die politischen Gespräche beherrscht: den millionenteuren Umbau des alten Hafens, der trotz aller Euro bis heute nicht belebt werden konnte. Den einen wird er dabei aus dem Herzen sprechen, den anderen auf die Füße treten, aber mit sicheren Noten: „Kleiner Hafen, Herz der Stadt, musst jetzt schlafen, denn man hat beschlossen, Dich mal umzubauen, den Besserwissern zu vertrauen, wodurch dann diese schöne Stadt, Ihr schönes Herz verloren hat.“







