„Ich fühle mich mit dem Schiff verbunden“
Interview mit dem Kabarettisten Kerim Pamuk über seine Liebe zur „Batavia“, seine Ideen und seine Beziehung zum Publikum
12. Februar 2026
Jörg Frenzel

Pamuk Kerim Batavia Angelika
Kerim Pamuk vor dem Foto von Angelika Strub - er ist der verstorbenen künstlerischen Leiterin der Batavia immer noch dankbar, dass sie ihn ins Programm aufnahm,
Der Kabarettist Kerim Pamuk aus Hamburg-Eimsbüttel steht bundesweit auch auf großen Bühnen und feiert Erfolge. Ein Spielort hat es ihm aber besonders angetan, das kleine Theaterschiff Batavia in Wedel. Hierher kehrt er immer wieder zurück – und das gern. wedel-klartext sprach mit dem Mann aus zwei Welten, der deutschen und der türkischen, der auch gern Klartext redet.
wedel-klartext: Es gibt hier in der Gegend für einen Künstler doch nun wirklich Auftrittsmöglichkeiten genug. Trotzdem haben Sie bereits zweimal die Premieren Ihres neuen Programmes auf der Batavia präsentiert. Warum?
Kerim Pamuk: Und ich werde es auch ein drittes Mal machen! Im September gibt’s hier wieder eine Premiere! Das hat einfach damit zu tun, dass ich mich hier wohlfühle. Ich fühle mich mit dem Schiff und seiner Crew, mit Hannes, Tom und Anna und dem Publikum verbunden. Ich bin dankbar für diese wunderbare Bühne.

Seit Jahren viel mehr als eine Arbeitsbeziehung: Freundschaft. Batavia-Intendant Hannes Grabau (rechts) assistiert Kerim Pamuk beim Anlegen des Mikrophons.
Wie kam es dazu?
Die Kollegen des Kabarett- Duos Alma Hoppe haben für mich und mein damaliges Programm „Leidkultur“ ein gutes Wort bei Angelika – Gott hab sie selig – eingelegt. Es wurde ein sehr schöner Abend. Ich schloss Angelika sofort ins Herz. Sie war wunderbar geradeheraus und hat immer gesagt, was sie dachte. (Anmerkung der Redaktion: Angelika Strub ist die verstorbene Frau von Batavia-Käptn Hannes Grabau und war mit Leib und Seele für die Programmgestaltung an Bord zuständig)
Immer sagen, was man denkt – das passt ja auch zu Ihrer Bühnenpräsenz als leidenschaftlicher Zeitgenosse, der sich so herrlich aufregen kann – sowohl über vermeintlich typische deutsche als auch türkische Verhaltensweisen. Haben Sie ein Credo oder wie kommen sie zu neuen Programmen?
Nein, irgendein Bekenntnis oder Credo gibt es nicht. Ich beobachte einfach, und dann fallen mir Sachen auf, und Themen bleiben hängen. Ich schreibe sie ganz altmodisch in Notizhefte. Und die Absurditäten fließen dann in die Unterhaltung mit dem Publikum von der Bühne aus ein.
Ein Beispiel?
China und das Verhältnis seiner Eliten zum Wert eines Menschenlebens. In China sind in den letzten rund 100 Jahren etwa 150 Millionen Menschen zu Tode gekommen, durch Hungersnöte, durch Kriege, durch Maos Kulturrevolution und anderes. Foxxconn, der größte Elektronikhersteller der Welt, hat seine Mitarbeiter so unter Druck gesetzt, dass manche von ihnen aus Verzweiflung aus dem Fenster gesprungen sind. Und wir Deutschen, die wir allgemein so wunderbar moralisch urteilen können, kaufen aber im konkreten Fall weiterhin munter Smartphones und all die anderen Produkte von Foxxconn. Da kommt es dann auf die Moral nicht mehr so an.
Und was ist das Ziel bei solchen Geschichten?
Im besseren Fall sagen die Leute „ja, das ist irrwitzig, und damit hat er nicht unrecht“. Ich freue mich, wenn ich dem Publikum eine andere Perspektive zeigen kann, eine, die man im ersten Moment vielleicht nicht sieht. Und im Idealfall wird auch noch gelacht.
Gibt es denn auch andere Reaktionen als Zustimmung? Immerhin ist es doch aus politisch-korrekter Sicht starker Tobak, wenn sie beispielsweise eine vollverschleierte Burka-Trägerin als „Frau im Sack“ beschreiben…
Das hält sich in Grenzen. Da hat mir schon mal eine humorlose Pissnelke aus Bad Nauheim scharf vorgeworfen, ich hätte den Islam beleidigt. Dem habe ich klargemacht, dass es 1,7 Milliarden Muslime gibt und er nur einer von ihnen ist, ergo er eine Sicht vertritt, seine. Nicht mehr. Aber humorlose Leute gehen ja selten bis nie ins Kabarett.
Haben Anfeindungen denn auch mit dem Bildungsniveau zu tun? Wird die Gesellschaft immer blöder?
Nö. Aber manche werden radikaler. Deshalb müssen wir die Mitte halten und stärken gegen religiöse und politische Extreme, die daran zerren. Und wir müssen in der Auseinandersetzung den zivilisatorischen Rahmen einhalten. Viele Leute sind leider permanent dauererregt, weil sie multimedial zugeschissen werden. Das macht was mit einem.
Da erkennt man schon ein bisschen Skepsis gegenüber TikTok und Co. Was halten Sie in diesem Zusammenhang von einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige?
Da bin ich eindeutig dafür. Ich habe selbst zwei Kinder im kritischen Alter zu Hause.
Vielen Dank für das Gespräch und Klartext, Herr Pamuk.

Nähe zu seinen Fans ist dem Kabarettisten wichtig – nach der Vorstellung signiert er auf Wunsch Bücher.










