Ganz Wedel träumt von der Liebe
Akkordeon-Orchester "Viva la Musica"" begeistert mit dem Instrument des Jahres 2026
25. Februar 2026
Assia Tschernookoff

Viva la Musica Moysen (3)(1)
Zauberinnen an den klingenden Tasten - die Damen und ein Herr von "Viva la Musica". Foto: Holger Moysen
Alle zwei Jahre tritt das Akkordeon-Orchester „Viva la Musica“ im Wedeler Theater auf. Bei ihren diesjährigen Jahreskonzerten – beide waren komplett ausgebucht – drehte sich alles um die Liebe. „In der Welt geht es momentan so laut zu, da wollen wir mit unserer Musik an die Liebe erinnern,“ erklärt Anna Davies, Tochter des 2010 verstorbenen, in Wedel unvergessenen Musikers Henning Claasen. Vor vierzig Jahren gründete er das Akkordeon-Orchester, das mit seiner Musik immer gute Laune verbreitet. Heute sind es elf Hobbymusikerinnen, die unter der Leitung von Stefanie Sminkowski seine Idee fortsetzen. Für ihre aktuellen Konzerte bekamen sie männliche Unterstützung von einem ehemaligen Claasen Schüler Heiko Reiter, der extra aus Bonn angereist war, und Florian Liebig am Keyboard. „Ich habe tatsächlich noch nie ein so großes Akkordeon-Orchester live erlebt,“ staunt Herma Puttfarken aus Rissen, die selbst dieses Instrument beherrscht, „als Kind lernte ich, auf dem Klavier zu spielen, bis ich dieses wundervolle Instrument entdeckte.“
Ein wahrer Tausendsassa in der Musik
Dass das Akkordeon zum Instrument des Jahres 2026 auserkoren wurde, wird das Image verbessern. Oft wird es noch als Quetschkommode oder Schifferklavier verkannt, dabei ist das Akkordeon heute voll im Trend. Selbst der israelische Stardirigent Omer Meir Wellber an der Hamburger Staatsoper und in der Elbphilharmonie ist ein überzeugter Fan vom Akkordeon: „Es war meine erste Liebe. Erst später kamen noch Klavier und Komposition dazu.“ (Concerti 28.04.2019) Das 1929 von dem Österreicher Cyrill Demian erfundene Instrument ist ein wahrer Tausendsassa. Anders als ein Klavier kann man es eben mal unter den Arm klemmen, überall mit hinnehmen und fast alles darauf spielen: Tango. Chanson, Musettewalzer, Jazz oder Klassik.
Von den Spielern verlangt das 20 Kilogramm schwere Instrument allerdings eine ganze Menge ab. 181 Knöpfe und Tasten sind zu bedienen. Das wichtigste ist der Balg, ohne den kein Ton erzeugt werden würde. „Das Akkordeon kann seufzen, summen, gelegentlich sogar dramatisch schnaufen,“ erzählt Anna Davies Mann Timothy, der als Moderator die Gäste auf charmante Art durch das Programm begleitete. 22 Lieder hatte sich die Truppe von „Viva la Musika“ ausgesucht, die sie mit großer Leidenschaft vortrugen und natürlich alle etwas mit der Liebe zu tun haben: vom Cole-Porter Song „I Love Paris“ über Stevie Wonders „I just called to say I love you“ bis zur Pop Ballade der Bee Gees „How deep is Your Love“. Als die Gäste mit Drafi Deutschers Abschlusslied „Marmor, Stein und Eisen…“ partout den Saal nicht ohne Zugabe verlassen wollten, drehten die Künstler mit dem Beatles Song „All you need is Love“noch mal richtig auf, bevor sie sich von der Bühne verabschiedeten.
Wer bisher mit dem Akkordeon solo unterwegs ist und sich den Musikerinnen von „Viva la Musica“ anschließen oder informieren möchte, ist herzlich willkommen, bei den Probeabenden mittwochs 19 bis 21 Uhr in der AWO – Tagesstätte, Rudolf-Breitscheid-Str. 40 a vorbeizuschauen. „Wir spielen auch gern auf privaten Feiern wie zu Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen,“ so Anna Davies, „einfach mal anfragen.“






