Eine Reise, die am Anfang endet
Wedeler Musiktage: Pianistin Fatjona Maliqi begeistert mit Bachs Goldberg-Variationen in der Friedhofskapelle am Autal.
17. September 2026
Redaktion Wedel-Klartext

Musiktage 2026 Fatjona Maliqi
Fatjona Maliqi am Flügel in der voll besetzten Friedhofskapelle. Foto: Wedeler Musiktage
Am Ende erklang wieder der Anfang. Dazwischen lagen 70 Minuten Musik, 30 Variationen und eine Reise durch einen musikalischen Kosmos, der sich immer weiter von seinem Ausgangspunkt zu entfernen schien. Als Fatjona Maliqi am Donnerstagabend bei den Wedeler Musiktagen schließlich zur Aria zurückkehrte, mit der Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen begonnen hatten, war sie dieselbe geblieben. Und klang doch vollkommen anders.
Rund 120 Zuhörer erlebten diese Reise in der bis auf den letzten Platz besetzten Friedhofskapelle. 70 Minuten Johann Sebastian Bach, ein einziges großes Werk – und das gesamte Programm auswendig. Was nach einer Herausforderung für Künstlerin und Publikum klingt, fesselte vom ersten bis zum letzten Ton.
Den Weg hatte Professor Heribert Koch bereitet. Der langjährige Mentor von Fatjona Maliqi und Präsidiumsmitglied der European Piano Teachers Association führte kenntnisreich und zugänglich in das Werk ein. Eine gute Idee nach einem langen Werktag: Als Maliqi schließlich am Flügel Platz nahm, waren die Ohren geöffnet.
Schon mit den ersten Tönen der Aria entstand eine Spannung, die über die folgenden 70 Minuten nicht abriss. Unter diesem großen Bogen entfalteten sich die Variationen. Manche blieben dem Ausgangspunkt nahe, andere schienen sich weit von ihm zu entfernen. Mal funkelte Bach virtuos, mal wurde die Musik innig und still.
Gerade hier zeigte sich Maliqis Kunst. Feinste Motive und kleinste Veränderungen in Tempo und Ausdruck erhielten ihr eigenes Gewicht, ohne dass der Zusammenhang verloren ging. Selbst in den virtuosesten Passagen blieb die große Linie spürbar. Was technisch außerordentlich anspruchsvoll ist, wirkte bei ihr selbstverständlich – nie als Demonstration pianistischer Brillanz, sondern als Teil des Ganzen.
Und dann war da dieser Ort. Das warme Licht der Friedhofskapelle, die hohe Holzdecke, das blau leuchtende Rundfenster über dem schwarzen Flügel – ein ungewöhnlicher Rahmen für eines der großen Werke der Klavierliteratur. Vielleicht aber gerade deshalb der richtige.
Als schließlich die Aria vom Beginn zurückkehrte, schloss sich der Kreis. Dieselben Töne wie am Anfang – und doch hörte man sie nach allem, was dazwischen geschehen war, mit anderen Ohren. Ein Gänsehautmoment.
Mucksmäuschenstill und hochkonzentriert folgte das Publikum einem Programm, das auch für Zuhörer alles andere als leichte Kost ist. 70 Minuten lang war kaum eine Bewegung zu hören. Am Ende entlud sich die Konzentration in großem Jubel und Standing Ovations. Das Publikum ließ Fatjona Maliqi auch nach diesem musikalischen Marathon nicht ohne Zugabe vom Flügel. Zweimal kehrte sie zurück.
Große Konzerterlebnisse brauchen keine große Bühne. Manchmal genügt eine Friedhofskapelle in Wedel. (Wilhelm Hofmann)







