Ernst Flege: Ein ganz, ganz Großer seiner Zeit
Sonderausstellung mit beeindruckenden Bildern des zeitweise in Wedel lebenden Künstlers im Stadtmuseum
11. Juni 2026
Ulrich Bohling

Junker und Roland Bohling
Museumsleiter Holger Junker neben Ernst Fleges Bild vom Wedeler Roland. Fotos: Ulrich Bohling
„Großer Künstler im kleinen Haus“ lautet treffend der Titel einer Sonderausstellung, die derzeit im Stadtmuseum zu sehen ist. Gezeigt werden Bilder des Malers Ernst Flege (1898-1965), dessen Wirken ab den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts rund um Wedel stattgefunden hat. Und dessen Bilder heute auch in der Hamburger Kunsthalle und im Altonaer Museum zu finden sind.

Selbstbildnis des jungen Ernst Flege aus seiner Studienzeit.
Flege studierte in Hamburg an der Kunstschule am Lerchenfeld und zählt laut Ausstellungskatalog zu den Vertretern des expressiven Realismus. In seinen Bildern spiegelt sich das Alltagsleben seiner Zeit wider. Durch seine nervöse, teils kreuzweise gesetzte Pinselschrift entstand so eine „lebendige, fast atmende Bildsprache“, wie der Katalog verrät.
Leihgaben aus der Familie
Möglich wurde die Ausstellung durch diverse private Leihgaben aus der Familie und einen Kreis von Bewunderern seiner Kunst. Holger Junker, Leiter des Stadtmuseums Wedel, hat die Schau in Zusammenarbeit mit der Tochter Fleges, Tekla Kühn von Burgsdorff, kuratiert.
Durch die Beschäftigung mit dem Maler ist Junker zu einem großen Kenner für dessen Biografie und seinem Schaffen geworden. „Flege arbeitete Zeit seines Lebens wie ein Getriebener“, weiß Junker, „und malte auf allem, was ihm in die Hände kam.“ Bei seinen bevorzugt in freier Natur stattfindenden Arbeiten nutzte er dafür manchmal sogar ungrundierte Pappe oder Sperrholz.
Museumsleiter erzählt Anekdoten und Geschichten
Überhaupt ist der Museumsleiter ein unerschöpflicher Quell von Geschichten, Anekdoten und Hintergrundwissen zum Leben Fleges. Diese Erinnerungen gibt er anschaulich und mit Begeisterung, Witz und Humor an seine Zuhörer weiter.
So beispielweise, dass Flege aus wohlhabendem Hause in Hamburg über Rissen nach Wedel kam. Dort lernte er seine spätere Frau Marie Röttger kennen. Die jüngste Tochter des damals nahe dem Mühlenteich gelegenen Auhofes heirate er 1934 und zog zwei Jahre später mit ihr nach Holm.

Ein typisches Flege-Motiv: Pumpenhaus in Rissen.
Auch wenn einem die Bilder manchmal etwas düster oder gar bedrückend vorkommen, meint Junker: „Flege ist sich künstlerisch immer treu geblieben, und jedes der Bilder erzählt seine ganz eigene Geschichte.“
Künstler erkrankt an Multipler Sklerose
Bereits Anfang der 40er-Jahre erkrankte der Künstler an Multipler Sklerose. Ein furchtbarer Schicksalsschlag, der sein Schaffen stark beeinträchtigte. „Das ist wohl das Schlimmste, wenn ein so von der Kunst Besessener nicht mehr malen kann“, stellt Junker bedauernd fest. Von einem Freund ließ sich Flege zeitweise den Pinsel an der Hand festbinden, um Bilder malen zu können.
Junker ist sich sicher, dass der 1965 in Holm verstorbene Maler „ein ganz, ganz Großer seiner Zeit“ gewesen ist. Umso seltsamer, dass sein Eintrag in der Liste der Persönlichkeiten, die mit der Stadt Wedel in Verbindung stehen, bei Wikipedia bis heute fehlt.

Farbenfrohes Spiel: badende Kinder.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. November 2026. Die offiziellen Öffnungszeiten des Museums sind Freitag und Sonnabend von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Auf Wunsch können für Gruppen und Schulklassen auch außerhalb der Öffnungszeiten Führungen arrangiert werden. Dazu bitte eine Anmeldung per Mail an: stadtmuseum@wedel.de







