Waldemar Motschall und sein Mini-Paradies

Seit 15 Jahren betreibt der Wedeler die kleine Golf-Anlage in der Elbstraße.

Published15. August 2026

AuthorAssia Tschernookoff

Mann mit Minigolf-Schläger

Minigolf Wedel Tschnernookoff (2)

Waldemar Motschall selbst ist kein großer Minigolfer, er spielt lieber Fußball. Fotos: Tschnernookoff

Rund zweitausend Minigolfanlagen gibt es hierzulande, wie der Deutsche Minigolfsport Verband angibt. Eine davon ist in Wedel. Der pittoreske Minigolf-Platz – nur wenige Minuten zu Fuß vom Willkommens Höft entfernt – hat es sogar auf die 25 besten Plätze in Hamburg und Umgebung geschafft. Seit fast siebzig Jahren wird hier der Golfschläger geschwungen. Zu Spitzenzeiten wie im Sommer sind es vierzig bis achtzig Gäste täglich, darunter viele Urlauber, auch aus dem Ausland, und Schulklassen. „Liedermacher Rolf Zuckowski und Dorfgeschichten-Erzähler Yared Dibaba haben hier auch schon gespielt,“ berichtet Minigolf-Chef Waldemar Motschall stolz.

Alles begann 1958

Im Juli 1958 nahmen der damalige Bürgermeister Heinrich Gau und der erste Stadtrat Bruno Vogt selbst den Schläger in die Hand, um die Anlage an der Parnaßstraße einzuweihen. Als vor vierzehn Jahren die damalige Pächterin aufgeben wollte, übernahm sie Waldemar Motschall. Er wohnt direkt gegenüber: „Mit Minigolf hatte ich nicht so viel am Hut. Ich kam wegen des Kaffees regelmäßig rüber.“ Damals war Motschall noch Bauleiter bei der Firma Simon Nagel und beruflich voll ausgelastet. Aber der Minigolfplatz war sein Ruhepol: „Hier bin ich ein ganz anderer Mensch, auch heute noch, trotz der Verantwortung.“ Er nahm also all seinen Mut zusammen und bat um einen persönlichen Termin bei seinem Vorgesetzten. Der hatte es längst läuten hören und fragte ihn direkt, ob er denn das Geld für die Pacht hätte. Das hatte er natürlich nicht und wollte es sich „zusammen schnorren“. Doch soweit kam es gar nicht, denn sein Chef streckte ihm die Summe vor. „Herr Lüders war der beste Chef,“ betont Motschall, „er war streng, aber gerecht. Wenn man seine Arbeit gut machte, konnte man alles von ihm haben.“ Als er nach ein paar Monaten das Geld zurückzahlen konnte, drückte ihm Lüders zweihundert Euro in die Hand. Damit solle er mit seiner Frau gut essen gehen.

Den Platz schmücken viele bunte Figuren. Eine gestiefelte Kuh gehört auch dazu

Vom Schiff zum Minigolf

Vierzig Jahre lang war er bei der Tiefbaufirma beschäftigt. Bevor er mit dem Bagger Erdlöcher buddelte oder Hügel abtrug, kochte der gelernte Bäcker und Konditor fünf Jahre auf der „Altes Land“, dem ersten Motorküstenschiff auf der Nord- und Ostsee, in der Kombüse für die Besatzung das Essen. Er erinnert sich gern an die Zeit: „Ich bin viel herumgekommen. Von Holland und Belgien bis Dänemark und Schweden war ich unterwegs. In England haben meine Frau und ich unsere Silberhochzeit gefeiert.“ Groß geworden ist der Sohn eines Schweizers auf dem Lande. Sein Vater war Melker auf dem Gut Haidehof, heute eine bio-zertifizierter Modellhof für regenerative Landwirtschaft in Wedel „Jeden Tag bin ich bei Wind und Wetter mit dem Rad in die Altstadtschule gefahren,“ erinnert sich der 76jährige, „da musste ich einige Kilometer strampeln.“

Kunterbunte Farm

 Für seine Minigolfanlage bekam er vieles geschenkt, manches entdeckte er auf dem Sperrmüll. Aus dem Sammelsurium entstand eine bunte Minigolfanlage mit eigenem Charakter. Das chinesische Dach seiner Pförtnerloge bekam er von einem Asia-Restaurant, über der Anlage thront ein Reiher hoch oben in seinem Nest und eine gestiefelte Kuh steht mitten drin. Der rote Leuchtturm kam ganz neu hinzu. Am liebsten würde der sein Minigolfparadies nach der beliebten Fernsehserie „Unsere kleine Farm“ benennen. „Die gucken meine Frau und ich so gern,“ schmunzelt der Rentner, der immer wieder mit neuen Ideen sein Minigolfangebot belebt.

Zum Schutz vor Regenschauern wurde ein Zelt aufgestellt, das bei kühleren Temperaturen sogar beheizt ist. Auf der Anlage werden auch private Feste wie Geburtstage und Hochzeiten gefeiert. „Sogar eine Trauerfeier gab es mal,“ erzählt Motschall. Man kann zum Grillfest einladen oder sogar unter dem Sternenhimmel bei Nacht golfen. Kaffee gibt es auch heute noch, außerdem erfrischende Getränke. „Im Winter kommen so gut wie gar keine Besucher,“ bedauert der Unternehmer, „im letzten Winter erst recht nicht.“ Zum Glück packt er immer etwas Geld beiseite. Vieles musste repariert oder neu angeschafft werden. Sobald der letzte Schnee weg war, fing er mit den Aufräumarbeiten und dem Streichen an. Als vor fünf Jahren seine Frau einen schweren Schlaganfall erlitt und seither bettlägerig ist, helfen seine Kinder mit:. „Es muss ja immer jemand da sein, der sich um sie kümmert,“ erklärt Motschall.

Das Dach der Pförtner-Loge ist ein Geschenk eines Asia-Restaurants

Die Minigolfanlage ist von Montag bis Freitag ab 15 Uhr und am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet, und zwar immer bis 21 Uhr. Die erste Runde kostet 5 Euro pro Person. Wer noch eine zweite Runde drehen will, zahlt nur noch 4 Euro. Hunde dürfen mitgebracht werden und bekommen – wenn sie brav sind – ein Leckerli von Waldemar Motschall spendiert.

 

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