Von der Wundertüte zum goldenen Heft: WM-Album für 1600 Euro?
Goldwerter Tipp: Jeden Mittwoch ist Tauschtag im Stadtteilzentrum "mittendrin"
25. Juni 2026
Michael Rahn

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Das Stickeralbum gab es 1970 kostenlos.
Mein Sticker-Album für die Fußballweltmeisterschaft ist voll. Zugegeben, es ist jetzt 56 Jahre her, dass ich es geklebt, gehegt und gepflegt habe, sodass es bis heute zusammenhält. Kosten geschätzt: umgerechnet auf heutige Währung vielleicht etwa fünf Euro. Für diesen Preis gibt es diese Sammelhefte heute längst nicht mehr. Und doch ist die Leidenschaft, Bilder der Idole zu sammeln, weiterhin groß.
Einen Groschen oder zehn Pfennige mussten meine Fußballfreunde und ich damals bezahlen, um an die Bildchen für die WM 1970 in Mexiko zu gelangen. Die Fotos steckten in sogenannten Wundertüten, meistens zusammen mit Pocorn. Das Album des damals marktbeherrschenden Bergmann-Verlages aus Dortmund, der mit Bundesliga-Bildchen begann und Ende der 70er-Jahre eine Partnerschaft mit Panini schloss, gab es kostenlos als Werbeexemplar. Wir sollten schließlich sammeln.
Bergmann beginnt, Panini vollendet das Geschäft
Tatsächlich war die WM 1970 der internationale Start für die anscheinend unendlich wachsende Sticker-Manie, erst zum Selbstkleben in den 80ern dann selbstklebend. 16 Mannschaftsbilder in Schwarz-Weiß und 80 mehr oder weniger gelungene, farbige Porträts passten 1970 ins Heft. Bei der WM 2026 hat sich die Zahl der Teams verdreifacht, die Summe der Sticker sogar in etwa verzehnfacht. Das 112 Seiten starke Album ist also so dick wie nie zuvor, und die Brieftasche, um alles zu bezahlen, muss ebenfalls so gefüllt sein wie noch nie.
Christian Hesse, Mathematik-Professor an der Universität Stuttgart, hat der Redaktion der Tagesschau vorgerechnet, wie teuer es nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung für einen Sammler werden kann: „Bei 980 Stickern braucht man rechnerisch rund 7.300 Bilder, bis man trotz Dopplungen alle beisammen hat. Dann ist man bei 1.600 Euro im Schnitt für ein volles Album.“
WM-Album kostet mindestens 210 Euro
Ganz so heftig wird es natürlich nicht. Denn leidenschaftliche Sammler tauschen auch gern. Doch selbst wenn der Sammler das unsagbare Glück hat, und jeden Sticker aus den 1,50 Euro teuren Tütchen einkleben könnte, müssten dafür mindestens 210 Euro fließen. Natürlich gibt es Sonderangebote: 100 Tüten für 150 Euro, aber höchstwahrscheinlich mit doppelten Bildern.Und zwölf weitere Sticker verteilt Panini in Kooperation mit Coca Cola. Diese Sticker gibt es mit jeder 0,5-Liter-Aktionsflasche. Noch eine Wahrscheinlichkeitsrechnung: „Um die alle zu sammeln, braucht man durchschnittlich 37 Flaschen.“
Ach ja, und das Album heutzutage ist auch nicht mehr gratis, sondern kostet auch ein paar Euro: zwei für die Soft-Cover-Variante, 14,99 fürs Hardcover. Tja, und wer es wirklich bis zum Ende durchziehen will, müsste eigentlich noch das Update-Set erwerben, also noch einmal 120 Bildchen mit den Spielern, die es nach Druckbeginn überraschend in die Kader der 48 Teams geschafft haben.
Jeden Mittwoch ab 17 Uhr Tauschtag im „mittendrin“
Am Ende hilft es den meisten Sammlern nur, zu tauschen, um die Lücken zu füllen. Eine tolle Gelegenheit bietet sich dafür jeden Mittwoch von 17 bis 18.30 Uhr im Wedeler Stadtteilzentrum „mittendrin“, Friedrich-Eggers-Straße 77-79. Dort lädt Deniz Neumann-Arik, stolzer Besitzer vollständiger Panini-Alben aus den Jahren 1992 (EM) und 1994 (WM), gemeinsam mit Reiner Bleuel, dem Chef des Stadtteilzentrums, zum Tauschtag unter dem Titel „Heftgold“ ein.

Deniz Neumann-Arik (44) mit Sohn Elijah (5) und Rainer Bleuel, Leiter des Stadtteilzentrums (63) organisieren die Tauschtage.
Die ersten beiden Treffen waren bereits sehr gut besucht. Sowohl Kinder als auch Erwachsene tauschten hunderte Sticker untereinander aus. Reiner Bleuel schwärmt: „Eine klasse interaktive Begegnung.“
Und noch ein Tauschtipp: Der SC Rist organisiert ebenfalls ein Tauschbörse: Mittwoch, 1. Juli, von 17.30 bis 18.30 Uhr im Foyer der Steinberghalle.






