Quo vadis, SC Rist?

Finanzkrise: Ob in Wedel weiterhin Profi-Basketball gespielt wird, entscheidet sich in den nächsten drei Wochen

Published15. April 2026

AuthorJörg Frenzel

sechs leute auf dem Podium

SC Rist Vorstand

SC Rist-Vorsitzende Andrea Koschek (stehend) und ihr Vorstands-Team schilderten den Ernst der Lage im Profi-Bereich.

Am 9. Mai läuft der Countdown ab. Bis dahin hat der SC Rist Zeit, 63.000 Euro aufzutreiben, die notwendig sind, um mit dem 1. Herren-Team den Spielbetrieb in der Profi-Liga Pro B auch in der neuen Saison aufrechtzuerhalten. Die Summe wurde vom Vorstand unter der Vorsitzenden Andrea Koschek auf einer auch für Nicht-Vereinsmitglieder offenen Mitgliederversammlung in der Steinberghalle genannt. Zwar habe der Verein den Antrag auf ProB-Lizent gestellt, doch am 9. Mai werde entschieden, ob genug Geld in der Kasse sei, um diesen Antrag auch aufrechtzuerhalten. Andrea Koschek: „In der aktuellen Situation eher nicht.“

22.000 Euro Minus aus der laufenden Saison

Wie Wedel-Klartext bereits berichtete, fehlt dem professionellen Teil des Clubs Geld, viel Geld. Bereits in der aktuellen Saison ist nach Angaben des Vorstands ein Minus von 22.000 Euro aufgelaufen, das zwingend ausgeglichen werden muss, bevor über die neue Saison in Deutschlands dritthöchster Spielklasse überhaupt nur nachgedacht werden kann. Die Gründe: Besucherzahlen brachen ein, so dass 11.500 Euro weniger Einnahmen aus dem Ticketverkauf flossen, Steuerberaterkosten stiegen hingegen um 3000 Euro, Rücklagen sind trotz Spendenaktion für eine neue Lichtanlage für 55.000 Euro aufgebraucht. Allein dafür, dass teilweise ohne die Anlage gespielt wurde, verhängte die Liga 7300 Euro Geldstrafe.

Pro-B-Saison kostet 250.000 Euro

Auf der anderen Seite kostet eine Profi-Saison den SC Rist rund 250.000 Euro. (Im früheren Bericht nannte Wedel-Klartext noch „mehr als 100.000 Euro“ – doch jetzt kamen öffentlich die Zahlen auf den Tisch.) Spielergehälter sowie zwei Autos und Wohnungen für „Amis“ kosten schon mal rund 100.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für Schiedsrichter allein in Höhe von 12.000 Euro, 22.000 Reisekosten und mehr.

Außerdem rechnete Vorstandsmitglied Gernot Guzielski mit steigenden Kosten für Spieler, da auch in der US-Uni-Liga mittlerweile Gehälter gezahlt werden und der Aufenthalt in den Staaten für Talente somit noch attraktiver geworden sei. Und: Da die deutschen Bundesliga-Vereine mindestens sechs von zwölf Spielern auf der Bank oder auf dem Feld mit deutschem Pass vorweisen müssen, ziehen auch diese Clubs gute Spieler an.

Hamburg Towers keine Perspektive

Zwar arbeitet der SC Rist als „Farm-Team“ mit dem Erstliga-Verein Hamburg Towers zusammen, aber mehr als personelle Unterstützung und die Übernahme von Wohnkosten für doppelt eingesetzte Spieler sind da nicht drin. Andrea Koschek: „Es wird kein Geld fließen, schon gar nicht auf Dauer.“

Publikum

Rund 50 Gäste verfolgten die Ausführungen des Vorstands.

Falls Britta Wien-Hansen, die bienenfleißige Akquise-Frau des Vereins für Sponsoren, nicht in den kommenden Wochen noch zahlungskräftige Werbetreibende gewinnen kann, wird auch schon mal ein Start in der (etwas) kostengünstigeren Regionalliga im Hinterkopf behalten. Kosten für Schiedsrichter würden nur noch mit 7.000 Euro und für Reisen – dann quasi in die weitere Nachbarschaft – nur noch mit 10.000 Euro zu Buche schlagen.

Eine weitere Stellschraube sind die ausländischen Profis. Verzichtet man auf einen oder sogar beide der bisher engagierten Ausländer, rutschen die Kosten weiter nach unten. Jedoch: Die Ausländer sind mit ihren spielerischen Fähigkeiten eine wichtige Verstärkung des Teams und erhöhen die Chancen für Siege. Ohne Ausländer geringere Gewinnchancen. Ohne Chancen auf Siege, geringere Zuschauerzahlen. Weniger Zuschauer, geringere Einnahmen – und damit noch weniger Mittel, gute Leute aufs Feld zu schicken. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Aus der rund 50 Mitglieder starken Versammlung wurden Vorschläge in zwei Richtungen gemacht. Zum einen: komplett auf bezahlten Basketball zu verzichten. Zum anderen: eine Spendensammlung zugunsten der Profis organisieren. Beide Optionen nahm der Vorstand mit.

Ideeller Verein nicht betroffen

Was für den SC Rist wichtig ist und was mehrfach aus der Versammlung angefragt wurde: Der ideelle Verein SC Rist mit seiner fantastischen Kinder- und Jugendarbeit und mit allen Freizeit-Teams ist von der Finanzkrise nicht betroffen. Der 600 Mitlieder starke Club steht solide da – sein Wirken ist gesichert. Und: Es gibt keine finanziellen Querverschiebungen vom ideellen Vereinsteil in die professionelle Abteilung – jeder Spenden-Cent für die Jugendarbeit fließt auch in die Jugendarbeit.

 

 

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