Lühe-Schulau: Fährmann hol öwer!

Warum die Verschlickung der Elbe weitab von den Anlegern dem Fährdienst zu schaffen macht

Published18. August 2026

AuthorMichael Rahn

Ein in gelb und blau lackiertes Schiff auf der Elbe.

LSF in Fahrt(1)

So lieben viele Fans der Lühe-Schulau-Fähre das Schiff, hier auf Kurs zwischen Lühe und Schulau. Foto: Frenzel

Als die Lühe-Schulau-Fährgesellschaft vor knapp 110 Jahren gegründet wird, geht es hauptsächlich um wirtschaftliche Fahrten. Die Obstbauern aus dem Alten Land wollen schnell und sicher mit den Pflanzen aus den Baumschulen im Kreis Pinneberg versorgt werden. Und das Obst darf gern auf die andere Seite des Flusses. Heute ist die Fähre vornehmlich für Touristen und Naherholungssuchende im Einsatz. Deren Zuspruch hängt vom Wetter ab. Es ist nicht die einzige Hürde, die das kommunal getragene Unternehmen täglich meistern muss.

„Der Zuspruch entwickelte sich gut“, erinnert sich Ute Bülau an die letzten Jahre des vorigen Jahrzehnts. Damals war sie noch als Assistentin des Geschäftsführers André-Heinrich Blank tätig. Seit vier Jahren ist sie selbst Chefin. Doch Corona stoppte die positive Entwicklung. Kontakte und Alltagsleben mussten teilweise komplett eingestellt werden. Das traf auch die Fährlinie

Corona stoppt positive Entwicklung bei Berufspendlern

Diese Zwangspause mit Abstandsregeln ist zum Glück schon lange vorbei. Was bleibt ist die Tendenz, immer mehr Arbeit am heimischen Schreibtisch, dem Homeoffice, zu erledigen. Auch zum Leidwesen der Fährgesellschaft. Statt fünf Dutzend Berufspendler (2019) nutzen laut Geschäftsführerin nur noch etwa zwei Dutzend Pendler den Fährdienst.

Stattdessen wächst die Bedeutung des Schiffes für den Tourismus. „Die Verbindung von Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist fester Bestandteil des touristischen Angebotes des Alten Landes“, heißt es in einem Werbetext des Internetportals altes-land.de. Das stimmt. Wer von Wedel ins Alte Land oder nach Wedel von der anderen Seite der Elbe will, muss weit ausholen, um sein Ziel zu erreichen: Im Westen über die Fähre Glückstadt-Wischhafen, im Osten mindestens bis Blankenese, wo die HADAG-Fähre zwischen Blankenese und Wittenbergen pendelt. Oder noch aufwendiger über den Elbtunnel.

Fährgesellschaft hat technische Probleme endlich im Griff

Doch bei schlechten Witterungsbedingungen fühlen sich Käpten und Decksleute schon manchmal einsam an Bord. Trotz alledem pendeln alljährlich rund 80.000 Menschen mit der Fähre „Dat ole Land II“, die 2012 in Dienst gestellt wurde. Auf rund 4500 Fahrten pro Jahr kommen Boot und Crews.

Jahrelang machten allerdings technische Probleme des neuen Schiffes den Verantwortlichen zu schaffen. Unter anderem musste das Bugstrahlruder im vorigen Jahr zwei Mal repariert werden. Erst hatte die laufende Verschlickung für ungeplante Werftaufenthalte gesorgt, im Herbst schließlich Treibgut.

Verschlickung beeinträchtigt Fahrten zum Liegeplatz

Jetzt scheint alles gut abgeschottet zu sein, sodassdie Technik in dieser Saison zu keinen langfristigen Ausfällen führte. Doch nun macht erneut die Verschlickung den Verantwortlichen zu schaffen, und zwar auf dem Weg zum Nachtliegeplatz, dem Pionierplatz in Grünendeich. Geschäftsführerin Ute Bülau erklärt: „Dadurch müssen wir manchmal so früh mit dem Schiff starten, dass wir bei ungünstiger Tide manchmal die letzte Fahrt einfach personell nicht mehr schaffen.“

Ein gelb-blaues Schiff liegt festgemacht an einem Poller in einem kleinen Hafen.

Am Pionierplatz in Grünendeich macht die Fähre nachts fest. Die Verschlickung dort beeinträchtigt die Zu- und Abfahrten. Foto: Dieter Napiwotzki

In der Woche werde im Zwei-Schicht-Betrieb alles abgedeckt. Das sind jetzt immerhin acht Fahrten jeweils hin und wieder zurück an den Wochentagen und sechs am Wochenende. Doch sonntags und feiertags müsse sie manchmal die „Reißleine“ ziehen, wenn die Arbeitszeit für den Schiffsführer überschritten werde. Jeder benötige genügend Ruhephasen. Denn die Fahrt über die Elbe erfordert hohe Aufmerksamkeit.

Froh ist die Geschäftsführerin in diesen Wochen nach der Kündigung eines Kapitäns schnell Ersatz gefunden zu haben. Deshalb ist die Chefin optimistisch, in diesem Winter den Fährdienst fortsetzen zu können. In der vorigen Saison fuhr die Fähre mehrere Monate um den Jahreswechsel herum gar nicht. Jetzt sind auch während der kalten Jahreszeit mindestens zwei Fährfahrten pro Woche geplant. Die genauen Termine werden noch unter den Beteiligten abgestimmt. Winterfeste Ausflügler wird das Angebot ebenfalls freuen.

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