Ein Tag, der sonst ausgefallen wäre

Ein Ausflug, der mehr ist als ein Ferientag: In Wedel ermöglicht der Kinderschutzbund Kindern und Jugendlichen einen Tag voller Teilhabe – und setzt damit ein Zeichen gegen stille Ausgrenzung.

Published17. Juli 2026

AuthorWolf-Robert Danehl

Mit einem schicken Reisebus und fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem KiJuZ konnten die 25 Kinder- und Jugendlichen in den Heidepark (Soltau) fahren.

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Mit einem modernen Reisebus und fünf Mitarbeitern aus dem KiJuZ konnten 25 Kinder und Jugendliche in den Heidepark Soltau fahren. Fotos: Danehl/Kommunikateam

Eigentlich sollte es in diesem Sommer keinen großen Ausflug geben. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen stand der Heide-Park-Trip des Kinder- und Jugendzentrums Wedel (KiJuZ, Bekstraße 31) auf der Kippe. Für viele der 12- bis 18-Jährigen wäre damit ein zentraler Höhepunkt der Ferien weggefallen.

Dann sprang der Kinderschutzbund Ortsverband Wedel e.V. ein – und übernahm die Kosten: 45 Euro pro Person – dabei  auch die Organisation eines Reisebusses. So konnten schließlich 25 Jugendliche und fünf Betreuer doch nach Soltau fahren.

„Der Kinderschutzbund Ortsverein Wedel hat es mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass diese Ausflugsfahrt und die gesamten Ferienfreizeiten aus finanziellen und organisatorischen Gründen der Stadt Wedel in diesem Jahr nicht stattfinden“, sagt Wolfgang Meyer-Lomberg, Schatzmeister des Vereins. „Wir hoffen, dass die Stadt 2027 diesen Ausflug und weitere Freizeitangebote wieder finanziert und organisiert – ansonsten stehen wir gern für Gespräche bereit“, fügt er hinzu.

Kinderrechte in der Praxis

Hinter der Entscheidung steht mehr als ein einmaliges Engagement. Es geht um Grundrechte: das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung sowie das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung. Kein Kind soll ausgeschlossen werden, nur weil das Geld zu Hause knapp ist.

Gerade Ferienangebote sind dabei von zentraler Bedeutung. Sie schaffen Räume für Begegnung, Erlebnisse und Selbstwirksamkeit – Dinge, die im Alltag vieler Kinder nicht selbstverständlich sind.

KiJuZ-Leiterin Jülide Harder betont: „Wir sind dankbar, dass der Kinderschutzbund in diesem Jahr in die Bresche gesprungen ist und diesen Ausflug ermöglicht hat.“ Schon im vergangenen Jahr habe sie improvisieren müssen: „Damals habe ich neun Kinder selbst gefahren, weil wir wussten, wie wichtig dieses Angebot ist.“

Das Organisationsteam: Sajad Nahalgar (v.links), Sophia Vorgias, Jühde Harder, Jennifer Jäger (alle aus dem KiJuZ), Wolfgang Meyer-Lomberg (Kinderschutzbund) und Nico Dick (Mitarbeiter Spielmobil).

Das Organisationsteam: Sajad Nahalgar (v. l.), Sophia Vorgias, Jülide Harder, Jennifer Jäger (alle aus dem KiJuZ), Wolfgang Meyer-Lomberg (Kinderschutzbund) und Nico Dick (Mitarbeiter Spielmobil).

Wenn Armut Freizeit verhindert

Dass solche Unterstützung nötig ist, belegen zahlreiche Studien. Das Deutsche Jugendinstitut, die Bertelsmann Stiftung und das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik zeigen übereinstimmend: Armut führt nicht nur zu materiellen Einschränkungen, sondern auch zu sozialer Ausgrenzung.

Laut AWO-ISS-Studie müssen sich 46 Prozent der Jugendlichen aus armutsgefährdeten Familien bei Freizeitaktivitäten stark einschränken. Nur 13 Prozent erleben ihre Freizeit als vielseitig. Der „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ bestätigt: Chancen hängen stark vom Wohnort und vom Einkommen der Eltern ab.

Die Folgen sind gravierend: Soziale Isolation und Schamgefühle, weil Kinder ihre Situation vor Gleichaltrigen verbergen und erhöhte psychische Belastungen, etwa Depressionen und Angststörungen und langfristige Nachteile bei Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Verdeckte Armut vor wohlhabender Kulisse

Auch in Schleswig-Holstein – und im Kreis Pinneberg – ist die Lage angespannt. Laut Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung aus dem Jahr 2024 gelten im nördlichsten Bundesland rund 22,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen als armutsgefährdet. Jedes fünfte Kind wächst unter prekären Bedingungen auf.

In Wedel fällt das oft weniger auf. Die Stadt gilt bei der Einkommenssituation der Menschen als nicht arm. Genau das verstärkt den Druck: Wer wenig hat, erlebt den Unterschied zu Gleichaltrigen besonders deutlich. Studien, etwa der HAW Kiel und der Diakonie Schleswig-Holstein, sprechen von „verdeckter Armut“ – Familien, die knapp über der Anspruchsgrenze leben und Hilfen aus Scham oder Unwissen nicht nutzen.

Ein Netzwerk, das trägt

Dass der Ausflug dennoch stattfinden konnte, ist auch einem funktionierenden lokalen Netzwerk zu verdanken. Hinweise auf ein günstiges und zuverlässiges Busunternehmen kamen aus der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule. „Selbst am Vorabend haben Eltern noch angerufen. Leider konnten wir nicht alle mehr mitnehmen“, berichtet Jülide Harder. Der Bedarf ist offensichtlich.

Am Ende kehrten die Jugendlichen am Abend nach Wedel zurück – müde, aber erfüllt von gemeinsamen Erlebnissen. Ein Tag, der für viele mehr bedeutet als Achterbahnen und Nervenkitzel: Teilhabe, die sonst gefehlt hätte.

Mehr als ein Einzelfall

Für Wolfgang Meyer-Lomberg bleibt die Aktion auch ein politisches Signal. Der Heide-Park-Ausflug zeigt, was möglich ist – wenn jemand Verantwortung übernimmt. Und er wirft eine Frage auf, die über einen einzelnen Ferientag hinausgeht: Wie viele dieser Erlebnisse bleiben Kindern sonst verwehrt?

Wer solche Aktionen des Kinderschutzbundes Ortsverein Wedel mit unterstützen möchte, kann hier spenden:

Konto Kinderschutzbund Wedel:
Empfängername: Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Wedel e.V.
IBAN: DE18 2215 1730 0000 081981
Stadtsparkasse Wedel
BIC: NOLADE21WED

 

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