Ein Fest für den Kiebitz – den Frühlingsboten
Sonnenschein, Vogelrufe und neugierige Kinderaugen: Beim 15. Kiebitzfest des NABU Wedel zog es Hunderte Besucherinnen und Besucher in die Marsch. Zwischen Fuchsmobil, Ferngläsern und Frühlingsstimmung drehte sich alles um einen bedrohten Vogel – und um die Freude am Entdecken.
18. April 2026
Wolf-Robert Danehl

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Marco Sommerfeld, Leiter der NABU-Station und Ilka Nüske, Biologin und NABU- Referentin für den Kiebitzschutz freuten sich über das große Interesse vieler Besucher des Festes an ihrer Arbeit. (Fotos: Danehl u. NABU)
Bereits zum 15. Mal feierte der NABU (Naturschutzbund) sein Kiebitzfest in und an der Vogelstation in der Wedeler Marsch. Fünfzehn Stände, vogelkundliche Führungen und viele Mitmachaktionen lockten Familien, Naturfreunde und Stammgäste an.

Viele hundert Menschen waren im Lauf des Tages mit dem Auto oder dem Fahrrad gekommen und wanderten dann zur NABU-Station.
„Unsere Veranstaltung hat sich für viele Naturfans zu einem festen Termin im Jahreskalender entwickelt“, sagt Marco Sommerfeld, Leiter der Vogelstation. Rund 50 Ehrenamtliche sorgten dafür, dass alles reibungslos lief: „Sie haben vorbereitet, erklärt, geführt und an den Ständen Rede und Antwort gestanden.“

Das NABU-Kiebitzfestteam hatte vorher ordentlich was zu tun und konnte sich dann über die vielen begeisterten Besucher freuen.
Zwischen Fühlkästen, Mikroskopen und Kinderschminken herrschte von 10 bis 16 Uhr reges Treiben. Besonders beliebt waren die Führungen der NABU-Naturschutzjugend (NAJU), die Kindern auf spielerische Weise die Vogelwelt näherbrachten.
Vom Fuchs bis zur Feldlerche
Das sogenannte Fuchsmobil ließ kleine und große Besucher heimische Wildtiere ganz nah erleben – ausgestopft, aber erstaunlich lebensecht.

Das Fuchsmobil des NABU Hamburg ist ein zum mobilen Experimentierlabor umgebauter Kleinbus für Umweltbildung.
Unter dem Mikroskop entdeckten Kinder winzige Wassertierchen,

„Fuchsmobil-Expertin“ Sarah Schnorbus fischte für die kleinen Besucher kleine Lebewesen aus dem Wasser.
hinter der nächsten Ecke wartete schon der ADFC mit Fahrradparcours und Codierstation.
- Beatrix Fischer und Andreas Haemisch vom ADFC Wedel informierten über ihre Arbeit und gaben Tipps zu Radtouren in der Region.
- Holger Craemer vom ADFC Wedel machte es vor und absolvierte lässig den kleinen Fahrradparcours.
Auch fachlich war das Fest breit aufgestellt: Vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bis zum Regionalpark Wedeler Au, von Ferngläserberatung bis zum Stand der Swarovski-Optik – überall gab es Neues zu erfahren. Sogar der Fotograf Heiner Hoffmann zeigte seine Aufnahmen aus der Marschlandschaft. Für das leibliche Wohl sorgte Anke Feja-Biokochen mit Biogerichten, die laut Sommerfeld „komplett aufgegessen“ wurden.
- Jens Sturm, Leiter der Wedeler Gruppe des NABU: Hier am Glücksrad der Strandgut-Tombola von der Elbinsel Pagensand.
- Hobby-Ornithologe Milan Schätzle berichtete über das Vogelleben im städtischen Umfeld.
- Mit dem Fahrrad war Sie, Geschäftsführerin Andrea Keller vom Regionalpark Wedeler Au, gekommen und warb für die vielfältigen Angebote.
- Martin Tillmanns (v.links) und Britta Uhde vom NABU informierten die Besucher über den Fledermausschutz.
- Thomas Eckhoff (v.links) vom NABU und Wasserexperte Dr. Ludwig Tent genossen den regen Austausch auf dem KIebitzfest.
- Ranger vom Schleswig-Holsteinischen Landesamt standen den vor allem jungen Interessierten Rede und Antwort.
- Wo fliegen oder sitzen sie denn? Immer wieder gab es vogelkundliche Führungen mit tollem Ausblick vom Elbdeich.
Der Kiebitz – Symbol eines gefährdeten Lebensraums
Mitten in all der Festivalstimmung stand er, der Namensgeber: der Kiebitz. „Er ist Frühlingsbote und Sympathieträger zugleich“, erklärt Ilka Nüske, Kiebitzexpertin des NABU. „Ein Wiesenvogel, der hier zuhause ist – ein Stück Heimat.“
- Die Besucher konnten den Vogel des Jahres 2024, den Kiebitz, ausgestopft bewundern.
- Mit entsprechendem Objektiv und viel Glück konnten die Besucher den Kiebitz in weiter Entfernung von der Station erblicken.
Nicht ohne Grund nennen ihn manche Kolleginnen und Kollegen „den Ersten und den Letzten auf der Party“, wenn es um die Gesundheit der Natur geht.
Doch die Zahlen sind alarmierend: Seit den 1990er Jahren ist der Bestand der Wiesenvögel in Deutschland um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. In der Wedeler Marsch versucht der NABU, diesem Trend entgegenzuwirken – unter anderem mit Elektrozäunen, die Gelege vor Füchsen und anderen Beutegreifern schützen sollen. Acht Hektar Fläche hat die Naturschutzorganisation umzäunt. Mittlerweile neun der rund 25 Kiebitzpaare in diesem Bereich profitieren von dieser besonderen Fürsorge.
„Vor einiger Zeit als es diese Schutzvorrichtung noch nicht gab, habe ich beobachtet, wie ein Fuchs zu den Inseln schwimmt, um Eier und Jungvögel zu holen“, berichtet Thomas Eckhoff vom NABU-West-Leitungsteam. „Faszinierend und bedrückend zugleich. Genau deshalb wollen wir Menschen sensibilisieren – für die Schönheit, aber auch die Zerbrechlichkeit der Natur.“
Ein Ort mit Geschichte
Die NABU-Station selbst blickt auf eine lange Tradition zurück. „Eröffnet wurde sie 1984, damals noch unter dem Namen Hermann-Kroll-Haus“, erinnert sich Jens Sturm, Leiter der NABU-Gruppe Wedel. „Früher war die Fläche landwirtschaftlich stärker genutzt – heute ist sie ein wertvolles Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten.“
So ist die Wedeler Marsch zu einem echten Schatz geworden – einem Stück Natur, das vieler Hände Hilfe brauchte, um sich zu erholen.
Kleine Entdecker auf großer Tour
Zwischen Gummistiefeln und Ferngläsern lernten die jüngsten Gäste spielerisch die Natur kennen. Katharina Heitmann aus Volksdorf war mit ihren Söhnen Jonathan und Niklas angereist: „Ich will meinen Jungs hier die Natur näherbringen – und wir haben viel Spaß.“

Katharina Heitmann (ganz rechts) aus Volksdorf entspannte sich zwischendurch auf der Wiese mit ihren Söhnen Jonathan und Niklas.
Familie Piehler aus Rissen gehört schon zu den Stammgästen. „Sind jedes Jahr hier“, sagt Vater Michael. Sohn Benedikt ergänzt stolz: „Ich weiß, was Laich ist – die Eier von Fröschen.“ Seine Schwester Laura strahlt: „Ich feiere bald einen Fuchsgeburtstag. Die ausgestopften Tiere hier sind superinteressant.“

Bei Michael Piehler und seinem Sohn Benedikt ist das Kiebitzfest zu einem alljährlichen Event geworden, den Beide nicht versäumen wollen.
Auch Beate Eisenhardt, seit 15 Jahren ehrenamtlich im NABU aktiv, besuchte mit ihrem Enkel Titus das Fest. „Es ist schön zu sehen, wenn die nächste Generation dieselbe Begeisterung entwickelt“, sagte sie.

Beate Eisenhardt ist seit 15 Jahren ehrenamtlich im NABU aktiv,.Hier mit ihrem Enkel Titus.
Sonne, Begegnung und Begeisterung
Am Nachmittag füllten sich die Bänke im Sonnenschein, fröhliche Stimmen mischten sich mit Vogelrufen. Das Kiebitzfest war, wie Sommerfeld es ausdrückt, „ein Tag, an dem man spürt, dass Naturschutz verbindet“.
Über allem schwebten Vögelschwärme – wie ein Gruß an jene, die gekommen waren, um sie kennenzulernen und ihre Welt zu bewahren.

















