Die Zukunft der BADEBUCHT
Gestern stellten Stadtwerke und Planer den aktuellen Stand und den weiteren Zeitplan der Politik sowie Vereinen und Schulen vor.
28. April 2026
Jörg Frenzel

Badebucht 2.0 Maurer Planer Niss(1)
Jörn Peter Maurer, Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel und deren Tochter Kombibad GmbH, von links), Planer Hokan Nummelin und Badleiter Karsten Niß stellten sich Vereinen, Schulen und der Politik.
Es ist eines der derzeit am heißesten diskutierten Themen der Stadt: Wie geht es weiter mit dem Schwimmbad? Wie soll die BADEBUCHT 2.0 aussehen? Gestern Abend diskutierte die Stadtwerke-Tochter Kombibad GmbH den aktuellen Stand der Planungen für Umbau und die Sanierung der BADEBUCHT mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern von Schulen und Vereinen. Ebenfalls eingeladen waren die Fraktionsspitzen der Wedeler Politik. Hintergrund des Termines: Angesichts des ambitionierten Zeitplanes für die Entwurfsplanung sollen zügig alle Anforderungen an das Konzept der Zukunft aufgenommen werden , um nicht am späteren Bedarf vorbeizuplanen. Ausdrücklich wurden alle aufgefordert, ihre Anregungen, Bedenken und Ideen einzubringen.
Jörn Peter Maurer, in Personalunion Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel und der Kombibad GmbH, Architekt Hokan Nummelin von der Firma Hooper Architects, Frank Rose vom Beratungsunternehmen Prova sowie Badleiter Karsten Niß standen als Experten Rede und Antwort.

Der Ist-Zustand: zu viel Erholungswasser, Wasserflächen auf unterschiedlichen Ebenen, zu viel Rauminhlt, zu hoher Energieverlust durchs Freibad, Sportbecken schlecht erreichbar für gehandicapte Personen, Energieverlust durch große Glasfassade, wenig Fläche für Schwimmunterricht und Kurse.
Grundsatzbeschluss samt Summe steht
Sie machten deutlich, dass die Ratsversammlung schon im März vergangenen Jahres beschlossen habe, für Umbau und Sanierung der BADEBUCHT bis zu 14,7 Millionen Euro auszugeben. Die Ratspolitikerinnen und -politiker beauftragten damals die Kombibad GmbH, das präferierte „Modell 4A“ planerisch voranzutreiben. Die Grundidee der Variante 4A: Energetische Sanierung und gleichzeitige Reduzierung von Wasserflächen und unbenötigtem Raum, um die Betriebskosten von derzeit circa 2,4 Millionen Euro pro Jahr nachhaltig und deutlich zu senken. Kernelement ist für die Planer die Gestaltung der Wasserflächen beziehungsweise -becken auf einer Ebene, um die Wasseraufsicht zu verbessern, den Reinigungsaufwand zu reduzieren und die Anlage barrrierefrei zu gestalten. Weitere Veränderungen sind die Verkleinerung der Wasserflächen inklusive Schließung des Freibades, das Aus für die Rutsche und die effektivere Gestaltung der Innenräume. Die Saunaanalage bleibt erhalten beziehungsweise soll fortlaufend technisch modernisiert werden.
Jörn Peter Maurer sagte im Gespräch mit Wedel-Klartext: „Für die Finanzierung des Vorhabens gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten. Wichtig ist erst einmal, dass die Mittel im Haushalt eingestellt sind, um Planungssicherheit zu haben. Ob das Geld schlussendlich von der Kombibad GmbH direkt bei Banken aufgenommen wird oder ein rückzahlungspflichtiges Darlehen bei der Stadt in Anspruch nimmt, wird noch Gegenstand weiterer Gespräche sein. Unter dem Strich wird jedenfalls der Haushalt eine Entlastung erfahren, weil das dauerhafte Defizit, dass aktuell durch den städtischen Haushalt ausgeglichen werden muss, deutlich gesenkt wird.“ Unabhängig davon, ob das Darlehen am Kapitalmarkt oder über den Umweg der Stadt aufgenommen wird, bleibe die Krux:: Es müsse davon ausgegangen werden, dass das aufgenommene Darlehen aus haushaltsrechtlicher Sicht erst einmal der über alle Schornsteine verschuldeten Kommune zugerechnet wird.
Wie wird das Nichtschwimmer-Lehrbecken gestaltet?
In der ursprünglichen Planung, die dem Rat vorgestellt wurde, sind nach Angaben des Unternehmens Investitionen nicht nur in den Umbau und die energetische Sanierung vorgesehen. Auch werde in neue, nutzerfreundliche Kassenautomaten, in die Renovierung der sanitären Anlagen und Umkleiden sowie in neue Umkleiden und Schränke investiert. Ziel sei es in jedem Fall, möglichst viel aus dem Bestand zu erhalten, um die Umbaukosten möglichst im Rahmen zu halten.
Intensiv diskutiert wird aller Erfahrung nach sicherlich noch, inwiefern das neue Nutzungskonzept vom Kosten-Nutzen-Verhältnis mit einem einfachen „klassischen“ Nichtschwimmer-Lehrschwimmbecken ausgestattet wird oder ob ein Hubboden gebaut werden soll. Dieser kostet laut Maurer zwar mehr, bietee aber auch deutlich mehr Möglichkeiten. „Andere Bäder zeigen, dass mit einem umfassenden Kursangebot Einnahmen erzielt werden können, die helfen können, dass Gesamtdefizit zu senken“, so Maurer.
Die größte Herausforderung bei der Planung: das Konzept so flexibel auszugestalten, dass es einerseits – je nach Haushaltslage – ein weiteres „Abspecken“ erlaubt, aber gleichzeitig nicht die Zukunftsfähigkeit verbaut für eine Zeit, in der der Wedeler Haushalt wieder mehr Spielräume zulässt. Maurer: „Ideal wäre, wenn es gelingen würde, Kubatur und Wegeführung so anzulegen, dass je nach Haushaltslage später noch weitere Leistungsangebote wie Kinderbecken oder Erlebnis- und Sportangebote für Jugendliche nachgerüstet werden können.“ Im Kern, so machte Maurer deutlich, gehe es jedoch um die planerische Umsetzung der engen Vorgaben der Variante 4A.

Der Soll-Zustand nach der Sanierung: Gezieltes Wasserangebot für Schwimmunterricht, Vereine und Kurse, beide Becken auf einer Ebene, bessere Logistik für Menschen mit Beeinträchtigungen, Rückbau Außen-Becken, Abbruch nicht funktioneller Bausubstanz, ausreichende Lagerflächen bei den Bädern, zentrale Position der Schwimmmeisterinnen und -meister, vergrößerte Gastro in großzügigerem Eingangsbereich.
Bad soll im Betrieb günstiger werden
„Ziel dieser Neugestaltung ist es, die Betriebs- und Kapitalkosten des Bades zu senken – und damit den jährlichen Zuschuss der Stadt“, so Maurer. Bislang gleicht die Stadt das Defizit des Bades in Höhe von 2,4 bis 2,6 Millionen Euro – je nach aktuellen Energiekosten – aus. Dieser Ausgleich soll auch künftig passieren, allerdings wird dann „nur noch“ mit einem Minus von 1,7 Millionen Euro gerechnet. Allerdings findet auch dieses geringere Minus buchmäßig Eingang in den städtischen Haushalt, weil es sich um eine langjährige Verpflichtung zu Ausgaben handelt. Die Konsequenz: Obwohl es eine GmbH ist, die alles plant und baut, hat die Kommunalpolitik noch einmal ein letztes Wort zum Gesamtprojekt.
Stadt zeigt Verantwortung für Schwimmausbildung
Dass die Stadt sich jährlich überhaupt mit Geld beteiligt, rührt unter anderem daher, dass sie Schulen die Möglichkeit für Schwimmunterricht bietet und Vereinen von DLRG über TSV bis zur Familienbildung und Institutionen wie der Feuerwehr Möglichkeiten zum Trainieren beziehungsweise Üben gibt.
Politik bekommt das letzte Wort
Die veranschlagten Kosten könnten für die Kombibad GmbH allerdings noch einmal besser zu verdauen sein, sofern Zuschüsse aus anderen öffentlichen Kassen fließen. Es gibt derzeit Bundesprogramme und ein Landesprogramm für die Sanierung und Bau von Schwimmsport-Stätten. Fördermittel sind schon beantragt. Ein erstes Bundesprogramm für Sportstätten ist schon x-fach überzeichnet, sodass daraus nichts zu erwarten ist. Aber die Hoffnung auf die Berücksichtigung bei zwei weiteren Programmen besteht fort. Bis Ende des Jahres rechnen die Stadtwerke mit Entscheidungen. Ob und wie hoch die Zuschüsse fließen, ist laut Maurer „allerdings wie ein Blick in die Glaskugel“. Falls es öffentliche Gelder von Land und/oder Bund gibt, stellt sich die Frage, wie damit umzugehen wäre. Nimmt man das zusätzliche Geld, um über die die beschlossenen 14,6 Millionen Euro weitere Wünsche zu erfüllen oder nimmt man es, um die Kreditaufnahme durch die Stadtwerke beziehungsweise Kombibad GmbH zu senken? Die Politik wird darüber zu befinden haben. Und erst, wenn sie grünes Licht gegeben haben wird, ist an eine Terminierung des Baustarts zu denken.

Alle Wasserflächen auf einer Ebene: So könnte es aussehen – der Blick vom sanierten Sportbecken in Richtung Kursbecken.






