Der Kran ist da!
Großinvestition: Im Hamburger Yachthafen wurde die neue Hebeanlage für Schiffe montiert.
12. August 2026
Jörg Frenzel

HYG Kranmontage ausleger 2(1)
Zwei Kräne, um einen zu montieren: Der graue ist der Neue. Foto: Frenzel
Situation erkennen, Entscheidung treffen, fix anpacken. So gehen Kapitäne auf See an Aufgaben heran. An Bord sind ewige „Stuhlkreise“ eher die Ausnahme. Es ist diese Einstellung, mit der auch an Land im Hamburger Yachthafen Probleme gelöst werden: pragmatisch, gemeinsam, mit vollem Einsatz. Der aktuelle Beleg: Der neue Bootskran wird seit gestern montiert. Im Jahr 2024 hatten statische Probleme an der Plattform des alten Krans dafür gesorgt, dass er stillgelegt werden musste. Die Verantwortlichen in Vereinen und Geschäftsführung der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft erkannten die Situation, trafen die Entscheidung – und packten an. Schon zwei Jahre später im kommenden Herbst wird er einsatzbereit sein – eine Geschwindigkeit, die man vielleicht von chinesischen Flughäfen her kennt, aber seltener bei öffentlichen Bauten in Deutschland. Rund 1,5 Millionen Euro kostet die neue Anlage, die vom Hamburger Sportbund mit 300.000 Euro gefördert wurde – ein Meilenstein in der Geschichte des Heimathafens von mehr als 50 Wassersportvereinen..

Mächtige Röhre – die Kransäule ist von Innen so begehbar, dass die Technik gewartet werden kann.
Gleich zwei Kräne waren im Einsatz, um den einen neuen zu montieren. Außer dem Baukran, der die in den jüngsten Saisons die Boote ins Hafenbecken und wieder hinaus befördert hatte, war ein mobiler Schwerlastkran der Firma Kühl im angefahren, die tonnenschweren Einzelteile der neuen Technik in Position zu manövrieren. Martin Büssow vom Kühl-Kran und Hafenmeister Kay Sörensen vom Baukran arbeiteten dabei zusammen wie Rädchen in einem Schweizer Uhrwerk.
Bereits um 6 Uhr morgens war der erste Schwerlasttransport von den Produzenten Vetter Krantechnik aus angerollt – genau passend, so dass die Bedingungen der Tansport-Sondergenehmigung eingehalten werden konnten. Der Telekran stellte zunächst die 25 Tonnen schwere Säule millimetergenau auf – die Löcher im Fuß mussten exakt über die 54 Schrauben des Typs M 36 gepuzzelt werden. Keine leichte Sache, bei Windstärke drei, aber Pflichtaufgabe.
- Bloß nicht falsch absetzen – das Setzen der Säule auf die einbetonierten Schrauben war Filigrantechnik.
- Tonnenschwere Lasten jonglieren und dabei immer gute Laune haben – die Kranführer Martin Büssow (links) und Kay Sörensen.
Am Nachmittag erledigte das Team aus Hafenmeistern, Betriebshandwerkern und Mitarbeitern der Montagefirma GoKran, von Kran-Kühl und Claasen Elektrotechnik dann die Kür. Der 23 Meter lange und samt Drehkranz 27 Tonnen schwere Ausleger wurde aufgesetzt – er musste dazu nicht allein simpel angehoben, sondern auch in der Luft in die richtige Position gedreht werden. Wegen des Windes war das nicht trivial – aber da hatte sich das Kranführer-Duo Büssow/Sörensen schon eingespielt. Ausleger auf die Säule drauf, noch mal 54 Schrauben Typ M 36, Sache abgehakt.
Am Nachmittag traf dann auch das 18 Tonnen schwere Kontergewicht ein, das es zusammen mit dem sieben Tonnen schweren rückwärtigen Auslegerteil ermöglichen wird, bis zu 25 Tonnen wiegende Schiffe zu heben. Und wenn es sein muss, mit noch gestelltem Mast. Das ausrangierte Vorgängermodell hatte es auf schlappe 16 Tonnen Hebelast gebracht.

Rückwärts übern Deich: Im Zeitlupentempo wirde der 23 Meter lange Kranausleger zur Baustelle laviert.
Das ganze Verfahren war so beeindruckend, dass nicht allein einige Schaulustige einen sonnigen Nachmittag mit Zugucken verbrachten, sondern auch Kameramann und HYG-Social-Media-Spezi Finn Ole Kleinfeldt und Yachthafen-Geschäftsführer Timo Schmidt das Geschehen vom Boden aus und per Drohne aus der Luft dokumentierten, damit alle Seebärinnen und -bären aus den Vereinen erfahren können, wofür ihre Sonderumlage ausgegeben wurde.
Bis die neue Gerätschaft zum Einsatz kommt, sind aber noch ein paar Dinge abzuarbeiten. Beispielsweise werden (gewollte) Lücken unter dem Kranfuß noch mit Beton ausgegossen, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Aber fürs Kranen zum Winterlager wird alles paletti sein. Und ein kleines Einweihungsfest für alle, die 2024 die Situation erkannt, Entscheidungen getroffen und fix angepackt haben, gibt es auch noch.Und mit ein paar Gästen, die das zwar nicht taten, aber zumindest gute Worte darüber verlieren werden.








