Das olympische Feuer brennt bei einem Wedeler seit 54 Jahren
...und die Kommunalpolitikerinnen und -politiker haben zu dem Thema unterschiedliche Auffassungen.
24. Mai 2026
Michael Rahn

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Buchhändler Gert Steyer wird dieses Erinnerungsstück nie wegschmeißen: die Fackel, mit der der damals 18-Jährige 1972 einen Teil der Wegstrecke zwischen Kiel und München das olympische Feuer weitertrug.
Olympia ganz nah? Am nächsten Sonntag (31. Mai) entscheiden die Hamburger, ob sie eine Bewerbung ihrer Stadt als Austragungsort Olympischer Spiele in 2036, -40 oder -44 unterstützen wollen. Auch auf Wedel hätte diese internationale Großveranstaltung Auswirkungen. Die Redaktion fragte die Sprecherinnen und Sprecher der Ratsfraktionen, was sie von einer möglichen Bewerbung halten und einen, der der Olympischen Spielen in München und Kiel so nah war, wie kaum ein anderer Bürger der Stadt: Gert Steyer.
Wedels Fackelträger
„Ich bin klar für olympische Spiele. Das hilft uns auch infrastrukturell“, sagt der frühere Leichtathlet und heutige Buchhändler. Er war als 15-facher Hamburger Meister vor 54 Jahren auserwählt worden, das olympische Feuer ein Stück weit zwischen München und Kiel zu tragen. „Das hat damals super geklappt. Es war beeindruckend, an den vielen Zuschauern vorbeizulaufen, die jubelnd an der Straße standen.“ Etwa 1,5 Kilometer trug er als einer von 18 Sportlern aus dem Kreis Pinneberg die Flamme aus der Gaskartusche im Raum Quickborn und übergab sie im Kreis Segeberg.

Das olympische Feuer hatte 1972 einen Namen: München.
Sport, das war sein Ding! Der frühere Zehnkämpfer verfolgte damals am Fernseher gebannt mit, wie die 16 Jahre alte Ulrike Meyfarth sensationell im Hochsprung die Goldmedaille holte. Ebenso fieberte er mit, als sich die Leichtathletin Heide Rosendahl die Silbermedaille im Fünfkampf und Gold im Weitsprung und in der 4-mal-100-Meter-Staffel holte. Solcher Erlebnisse wünscht er sich wieder. Er ist sich sicher, dass „Olympia“ den „Wohlfühlcharakter in unserem Land erhöht“.
Während bei dem langjährigen Leichtathleten das olympische Feuer in der Seele noch immer brennt, sind einige Akteure aus der Kommunalpolitik ebenfalls entflammt, bei anderen flackert die Flamme oder ist sogar erloschen beziehungsweise nie entflammmt.
Grüne: Booster für die lokale Wirtschaft
Dagmar Süß, Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Olympia wird ein Booster für die lokale Wirtschaft sein. Als Tor zu Hamburg werden sicher auch viele Gäste zu uns kommen. Unsere Stadt könnte sich als attraktive Gemeinde an der Elbe präsentieren und touristisch längerfristig davon profitieren. Grundsätzlich bin ich für Olympische Spiele in Hamburg. Gäbe es doch die einmalige Chance, der Welt unseren schönen Norden zu zeigen und gleichzeitig zu beweisen, Olympia geht auch nachhaltig, klimapositiv und inklusiv. Wichtig ist jedoch, dass von Beginn an die Bedürfnisse der Bevölkerung mitgedacht beziehungsweise die Belastungen für die Menschen so gering wie möglich gehalten werden. Dazu gehören beispielsweise der Ausbau des ÖPNV, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, geringe zusätzliche CO2-Belastung oder klare Regelungen zur Vermeidung von Wohnraumverteuerung. Also Spiele der kurzen Wege mit leistungsfähigem ÖPNV und Sportstätten und Unterkünften, die nach den Spielen weitergenutzt werden. Davon würden dann auch Wedels Bürgerinnen und Bürger profitieren.“
FDP: Ausbau de Verkehrsinfrastruktur
Nina Schilling, Fraktionsvorsitzende der FDP: „Die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg hätte voraussichtlich positive Auswirkungen auf die gesamte Metropolregion und damit auch ganz konkret auf Wedel. Als Stadt an der Elbe mit der bekannten Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft könnte Wedel von zusätzlicher internationaler Aufmerksamkeit und einem deutlichen Zuwachs an Tagesgästen und Touristen profitieren. Davon würden insbesondere Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und der lokale Tourismus profitieren.
Ein wesentlicher Vorteil wäre zudem der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in der Region. Investitionen in das S- und U-Bahn-Netz, in Bahnhöfe sowie in Straßen- und Radverbindungen würden die Erreichbarkeit Wedels weiter verbessern und sowohl Pendlerinnen und Pendlern als auch Unternehmen zugutekommen. Zusätzlich könnten regionale Handwerks- und Bauunternehmen von Aufträgen im Zusammenhang mit Infrastruktur- und Modernisierungsprojekten profitieren.
Wir unterstützen die Position der FDP Hamburg und sind klar für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg. Wenn die Spiele nachhaltig, wirtschaftlich verantwortungsvoll und unter Nutzung bestehender Sportstätten organisiert werden, sind sie eine große Chance für Investitionen in Infrastruktur, Sport und Wirtschaft. Von diesem Modernisierungsschub würde die gesamte Metropolregion profitieren und damit auch Wedel als attraktiver Wohn-, Wirtschafts- und Tourismusstandort an der Elbe.“
CDU: Große Chance für die Metropolregion
CDU-Co-Fraktionsvorsitzende Anja Lembach: „Die CDU Wedel unterstützt ausdrücklich die Initiative der CDU Hamburg, sich für die Ausrichtung Olympischer Spiele in Hamburg zu bewerben. Am 31. Mai 2026 stimmen die Hamburgerinnen und Hamburger in einem Referendum darüber ab – und wir sagen: Ja zu Olympia!
Olympische Spiele in unserer Nachbarstadt wären auch für die gesamte Metropolregion eine große Chance: für moderne Infrastruktur, wirtschaftliches Wachstum, mehr Sportförderung und ein starkes Zeichen für Weltoffenheit und Zusammenhalt. Alle inhaltlichen Argumente der CDU Hamburg finden sich unter: www.cduhamburg.de/ja-zu-olympia“
SPD: Noch Jahre negative Auswirkungen
Wolfgang Rüdiger, Vize-Fraktionsvorsitzender der SPD: „Wie alle wissen, kann man vom Zentrum Hamburgs in rund einer Stunde in Wedel sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto. Wie jetzt schon an Sonn- und Feiertagen werden dann riesige Menschenmassen die Bahnhofstraße oder Schulauerstraße benutzen und zum Hafen gehen. Gute Geschäfte für die dortigen gastronomischen Betriebe und das Hotel am Hafen, die dann das „große Geschäft“ machen wollen mit horrenden Preisen. Es bleibt übrig Müll, Dreck und Gestank. Städte, in denen solche Mega-Veranstaltungen durchgeführt wurden, leiden noch Jahre unter den negativen Auswirkungen. Miet-Wohnungen werden noch teurer, Gastronomie-Preise, Veranstaltungen steigen gigantisch an. Wohnhäuser für die Unterbringung der Sportler und Touristen werden gebaut, dazu kommen Sportstätten, die nachher niemand braucht. Die Veranstalter bestimmen und nicht die Stadt Hamburg.“
DIE LINKE: Klar gegen Olympia in Hamburg
Ratsherr Detlef Murphy: „Abgesehen von kurzzeitig ausgebuchten Hotels erwarte ich keine positiven Auswirkungen für Wedel – es sei denn, das Lions-Entenrennen wird olympische Disziplin und der leere Schulauer Hafen dadurch zu einer Sportstätte von Weltrang -, sondern vor allem negative: auf den Verkehr und den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt durch die Umwandlung von Wohnraum in temporäre Vermietung. DIE LINKE Hamburg hat sich klar gegen Olympia in ihrer Stadt ausgesprochen. Millarden, Flächen und politische Aufmerksamkeit sollten nicht in ein wenige Wochen dauerndes Mega-Event gesteckt, sondern in bezahlbaren Wohnraum, Bildung, soziale Sicherheit, Kultur, Klimaschutz und ÖPNV investiert werden. Vielleicht noch ein „knackiges“ Zitat aus dem Kommentar der taz vom 15.5.26: „Olympia ist ein aufgeblasenes Kommerz-Monstrum, veranstaltet von einer über Jahrzehnte kriminellen Organisation, die Allmacht und Steuerfreiheit verlangt.“
WSI: Infrastruktur ist Zustrom nicht gewachsen
Angela Drewes, Fraktionsvorsitzende der WSI: „Olympia in Hamburg würde gegebenenfalls für die Zeit der Spiele auch in Wedel zu einer Zunahme an Touristen führen. Die Infrastruktur in Hamburg wird dem zu erwartenden Zustrom an Gästen bei Weitem nicht gewachsen sein. Man könnte es natürlich trotzdem darauf ankommen lassen. Schließlich ist die Überlastung ja spätestens mit Ende der Spiele wieder vorbei. Aber wollen die Hamburger das? Warten wir das Ergebnis der Umfrage ab.“






