Desolate Sportplätze: Verein schreibt Brandbrief

Cosmos Wedel appelliert an Parteien und Rat, Zuschüsse aus 333-Millionen-Bundesprogramm zu beantragen

Published13. Januar 2026

AuthorJörg Frenzel

Kinder kicken im Sommer auf grünem Rasen. Im Tor hängt eine Flagge mit dem Wappen des SC Cosmos.

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Damit die Kinder beim SC Cosmos auch im nächsten Sommer begeistert Fußball spielen können, müssen mehrere Sportplätze saniert werden. Foto: Rahn

Der SC Cosmos Wedel hat einen „Brandbrief zur Beantragung von Fördermitteln für die Sanierung der Sportstätten in Wedel“ geschrieben. Vorsitzende Susanne Mühlich macht darin auf Möglichkeiten aufmerksam, die die Bundesregierung bietet. Doch die Frist läuft. Am 15. Januar endet bereits der Projektaufruf. Schafft Wedel es noch rechtzeitig, die Anträge zu stellen?

„Mit großer Aufmerksamkeit haben wir zur Kenntnis genommen, dass der Bund 333 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Sportstätten bereitstellt. Als größter Fußballverein der Stadt Wedel, der SC Cosmos e.V., möchten wir nachdrücklich auf den dringenden Sanierungsbedarf der Sportstätten in Wedel hinweisen, der seit Jahren von allen Fußballvereinen eingefordert wird.“

Porträt einer Frau mit Brille, rotem Schal und Bluse

Susanne Mühlich, Vorsitzende des SC Cosmos, sendet einen Hilferuf an Wedels Politikerinnen und Politiker.

Der Verein wendet sich mit diesem Hilferuf an die Entscheiderinnen und Entscheider in der Stadt. „Wir appellieren daher mit Nachdruck an alle Wedeler Parteien und Ratsmitglieder, die Beantragung der Fördermittel für die dringend notwendigen Maßnahmen zu initiieren und eine Bewerbung um die Förderung einzureichen. Es ist von größter Bedeutung, dass wir die Gelegenheit nutzen, um die Sportstätten in Wedel für die Zukunft fit zu machen“, formuliert die Vorsitzende.

SC Cosmos bittet alle Vereine um Unterstützung

Zudem bittet die Vorsitzende alle Mitglieder der Vereine sowie befreundete Vereine, die Veröffentlichung zu teilen. So werde die Dringlichkeit dieses Anliegens in die Öffentlichkeit getragen. „Wir benötigen eine Plattform, um allen Bürgerinnen und Bürgern zu verdeutlichen, unter welchen erschwerten Bedingungen die Sportvereine ihre ehrenamtliche Arbeit leisten.

Die Vorsitzende zieht eine kleine Bilanz: „Bisherige Anträge zur Verbesserung der Sportanlagen sind in den letzten Jahren leider gescheitert. Es ist jedoch an der Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Sportlerinnen und Sportlern in Wedel die Bedingungen zu bieten, die sie verdienen. Der Zustand der Spielstätten im Freizeitpark Elbmarschen ist desolat. Und dringende Maßnahmen sind erforderlich, um die Infrastruktur zukunftsfähig zu gestalten.“

Blick auf einen Sportplatz: Aus dem Grand wächst Gras. Vorn ist ein Maulwurfsloch.

Vor dem Schnee noch sichtbar: Teils sind die Löcher auf dem Grandplatz rund zehn Zentimeter tief – Fußballer sollten während des Spiels besser nicht reintreten.

Weiter heißt es: „Aktuell werden die Sportplätze von rund 20 Mannschaften des SC Cosmos Wedel, drei Mannschaften des FC Roland Wedel sowie etwa fünf Mannschaften des Wedeler TSV genutzt. Diese logistische Meisterleistung funktioniert nur durch das hohe Engagement aller Beteiligten. Doch die bestehenden Bedingungen sind kaum tragbar. Besonders dringlich ist die Sanierung des Kunstrasenplatzes sowie der Neubau eines weiteren Kunstrasenplatzes auf dem Grandplatz, der in seiner jetzigen Form unbespielbar ist.“

Zusätzlich stünden weitere Maßnahmen auf der Wunschliste, wie beispielsweise die Erweiterung der Kabinen und eine Beleuchtung des Rasenplatzes. Die Installation von Fangnetzen und die Befestigung des Weges zwischen Kunstrasenplatz und Grandplatz gehören ebenfalls dazu.

Der SC Cosmos verspricht, nicht nur auf die Fördermittel aus dem Bundesprogramm zu setzen. Der Verein werde sämtliche Fördermöglichkeiten des Landes sowie private Unterstützungsquellen wie Crowdfunding, Spenden und Sponsoring ausschöpfen. „Um die Sanierung und Modernisierung unserer Sportstätten so schnell wie möglich voranzutreiben“, schreibt die Vorsitzende. Sie bedankt sich zudem bei der Wedeler FDP, von der sie den Hinweis auf die Möglichkeit der Antragstellung erhalten hat.

Stadt Wedel hat bislang nur Antrag für die Badebucht gestellt

Und was sagt die Stadt? Sieht sie Sanierungsbedarf bei ihren Sportstätten und wenn ja, bei welchen? Die Stadt benennt dazu die Anlagen im Elbe-Stadion, den Grandplatz im Freizeitpark Elbmarschen und die Sportanlage des Rist-Gymnasiums. Auch die Badebucht und die Steinberghalle zählen dazu. Nicht nur Mitglieder des in Wedel beliebten Basketball-Clubs wissen, dass der Hallenboden kaum bespielbar ist. Auch seitens des Verbandes gab es Hinweise, dass dringend Abhilfe geschaffen werden sollte.

Derzeit hat die Stadt noch keine Anträge gestellt. Sie nennt den Grund: „Die Anträge für die bereitgestellten Fördermittel des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ können nicht ohne Weiteres gestellt werden, unter anderem muss ein Ratsbeschluss für den Fördermittelantrag vorliegen. Derzeit werden Beschlussvorlagen für die Ratsversammlung im Januar 2026 vorbereitet.“ Bereits auf der vorigen Ratsversammlung sei der Fördermittelantrag für die Kombibad Wedel GmbH beschlossen wurden, die die BADEBUCHT betreibt.

Aber auch für das Elbe-Stadion, den Freizeitpark Elbmarschen und das Gymnasium sollen Anträge gestellt werden. Knifflig ist das Thema Steinberghalle: „Die Möglichkeit einer Förderung für die Sanierung der Steinberghalle ist in diesem Zusammenhang stark eingeschränkt, da der erforderliche Umbau der Sporthalle nicht den Kriterien für eine solche Förderung entspricht. Eine Sanierung der Hallen-Lüftungsanlage ist indes förderfähig und wird beantragt“, teilt die Stadt auf Anfrage von wedel-klartext mit.

Frist für Projektaufruf endet am 15. Januar

Für die Erneuerung der Laufbahn des Elbe-Stadions werden nach bisherigen Planungen etwa 1,27 Millionen Euro fällig. Der Bund könnte bis zu 45 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten fördern. Der verbleibende Eigenanteil ist aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren. Die Grundsanierung der Sportanlagen des Johann-Rist-Gymnasiums schlägt mit 1,44 Millionen Euro zu Buche. Wenn alles gut läuft, könnte der Bund 648.000 Euro beisteuern.

Der Rat wird also nach jetzigen Kenntnisstand darüber beschließen, insgesamt zirka 1,25 Millionen Euro für die Sanierung der Wedeler Sportstätten in 2026/27 auszugeben. Hinzu kommen die Förderungen aus dem Bundeshaushalt – falls denn die Förderanträge Erfolg haben. Ob das alles gut geht? Die Interessenbekundungen für den Projektaufruf 2025/26 müssen bis 15. Januar im Förderportal des Bundes eingegangen sein. Die Ratsversammlung tagt erst am 29. Januar.

Stadtsprecherin Doris Brandt beruhigt auf Nachfrage: „Die Interessenbekundung mit allen Anlagen muss bis zum 15.01.2026 erfolgen. Der Ratsbeschluss kann bis Ende Januar nachgereicht werden.“   (Jörg Frenzel/Michael Rahn)

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