Brandbrief: Verletzungsgefahr im maroden Elbe-Stadion

Lehrer und Sportler in Wedel schlagen Alarm - nicht zum ersten Mal in diesem Jahrtausend

Published18. Mai 2026

AuthorMichael Rahn

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Die Risse in den Laufbahnen im Elbe-Stadion machen es seit 2014 unmöglich, noch Wettkämpfe dort auszutragen. Foto: Frenzel/Kommunikateam

Rolf Danneberg, Olympiasieger im Diskuswurf 1984, und Speerwerfer Wolfram Gambke, Vierter bei den olympischen Wettkämpfen in Los Angeles. Diese beiden Namen stehen für die größten Erfolge von Sportlern, die im Elbe-Stadion in Wedel trainiert und Wettkämpfe bestritten haben. Heute, 42 Jahre später, könnten sie an ihrer alten Sportstätte nicht mal mehr üben ohne Verletzungsgefahr. Das ist seit Langem bekannt, allein es ändert sich nichts. Vielleicht jetzt nach einem Brandbrief der Sportfachschaft der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule an die Kommunalpolitiker.

„Wir als Schule sehen uns kaum noch in der Lage, die in den Lehrplänen geforderten sportlichen Inhalte zu vermitteln“, schreiben die Lehrer. „Dies liegt einerseits an kaputten oder ungepflegten Anlagen, andererseits an Sicherheitsmängeln an den Anlagen und Geräten, die wir nicht ignorieren können und dürfen.“ Auch, wenn die finanzielle Lage der Stadt nach wie vor bescheiden aussehe, dürfe dies nicht dazu führen, „dass die städtischen Sportanlagen verfallen bzw. sicherheitsrelevante Reparaturen nicht mehr erfolgen“.

Brandbrief: „Herausgeschnittene Löcher auf der Bahn sind Stolperfallen“

Die Liste der Mängel, die von der Sportfachschaft aufgelistet wird, ist lang und nicht vollständig: „Die Bahnmarkierungen sind kaum noch zu erkennen. Die Markierungen für die Hürden, Start und Ziel der unterschiedlichen Laufdisziplinen sind verschwunden oder falsch. Bei Regen stehen teilweise große Pfützen auf der Bahn. Die herausgeschnittenen Löcher in der Bahn sind Stolperfallen und bergen ein erhöhtes Verletzungsrisiko.“

Ein beschädigtes Schild mit der Aufschrift: Überqueren des Sportgeländes auf eigene Gefahr widerrechtlich gestattet. Kein Winterdienst. Hunde sind anzuleinen.

Das Elbe-Stadion dürfen nicht nur Spaziergänger auf eigene Gefahr betreten, auch den Sportlern droht offenkundig Gefahr. Foto: Frenzel/Kommunikateam

Die Kommunalpolitiker reagierten sofort, gaben den Brief an die Stadtverwaltung weiter und setzten das Thema auf die Tagesordnung im Fachausschuss für Bildung, Kultur und Sport. Dort ließen sie auch zwei Männer zu Wort kommen, die das Elbe-Stadion bestens kennen und seit Langem für notwendige Reparaturen eintreten: Leichtathletik-Abteilungsleiter Wolfgang Soukup und Michael Schleef, Vorsitzender des Wedeler TSV.

Wolfgang Soukup: „Seit 2014 keine Wettkämpfe mehr im Elbe-Stadion“

Nur mit Mühe konnte TSV-Urgestein Wolfgang Soukup seine Erregung zügeln. Er hatte sich 1979 als junger Läufer dem Verein angeschlossen, dessen Leichathleten unter der Sport-Legende Artur Heß zu zahlreichen Erfolgen im In- und Ausland geführt wurden. Jetzt als Trainer kämpft Soukup darum, den Mangel endlich zu beheben. Doch die Enttäuschung ist groß, denn: „Seit 2014 können keine Wettkämpfe mehr im Elbe-Stadion veranstaltet werden.“ Weitsprunggruben ohne Absprungbalken, Hochsprung ohne Matten, eine defekte Zeitmessung sind einige der Mängel, die Soukup aufführt. Für den Hürdenlauf könne kaum trainiert werden, da es maximal für einen Bahn ausreichend Hürden gibt, die der Trainer zum Teil aus Pinneberg selbst mitbringt. Sein Fazit: „Alles ist in einem desolaten Zustand.“

„Wusste die Verwaltung von den Zuständen im Elbe-Stadion?“ wollte Verena Heyer (Bündnis 90/Die Grünen) im Ausschuss wissen. Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto zitierte aus einer Stellungnahme des Gebäudemanagements: „Das ganze Ausmaß liegt seit Langem vor.“ Deshalb sei die Grundsanierung auch erneut für den Haushalt 2027 angemeldet worden. Aber Wedel fehle das Geld, um tätig werden zu können.

Verena Heyer (Grüne): „Erste-Hilfe-Kasten ist Grundausstattung“

Das wollten Verena Heyer („Ein Erste-Hilfe-Kasten gehört zur Grundausstattung“) und die anderen Mitglieder im Fachausschuss nicht so stehen lassen. Sie forderten die Verwaltung auf, akute Mängel sofort zu beheben, damit es beim Vereins- und Schulsport nicht zu Verletzungen komme. Zudem wollen die Kommunalpolitiker eine Liste aller Sportgeräte und -anlagen samt Zustandsbericht erhalten.

Blick auf den Abwurfring , in dem der Begrenzungsbalken locker herumliegt.

Die Anlage für Wurfwettkämpfe wie Kugelstoßen ist so nicht benutzbar. Foto: Frenzel

„Diese Meldungen machen wir regelmäßig“, sagte TSV-Vorsitzender Michael Schleef. Und auch die Verwaltung führt solche Listen. Bekannt ist ein ausführlicher Mängelbericht im Jahr 2022. Allein, es ändert sich kaum etwas. Stattdessen mussten die Aktiven des TSV, die an einem Transportgerüst eigenhändig die Räder repariert hatten, das sogar zurückbauen. Der Grund: Solche Arbeiten müssen ausgeschrieben und von einer Fachfirma erledigt werden. Sonst zahle im Verletzungsfall die Versicherung nicht. Trotz alledem bot der TSV-Chef ehrenamtliche Arbeitsleistung an, um die Stadtkasse zu entlasten: „Wir können gern zusammen was schaffen.“

Die Kommunalpolitiker wollen das Thema nicht aus den Augen verlieren. Bereits heute, Montagsabend, 18. Mai, steht es wieder auf der Tagesordnung. Die öffentlicne Sitzung des Bau- und Umweltausschusses beginnt um 19 Uhr im Ratssaal.

 

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