Grundsteuer-Hammer trifft kleine Leute
wedel-klartext exklusiv: EIGENHEIM Wohnungsbaugenossenschaft eG legt ihre „öffentlichen Lasten“ auf den Tisch
3. März 2026
Jörg Frenzel

Eigenheim Christian-Christoph Ehrke (2)
Immobilien der EIGENHEIM an der Rudolf-Breitscheid-Straße: Sie sind schon ein bisschen in die Jahre gekommen - für die Grundsteuer egal.
Die miese Finanzlage der Stadt war der Grund: Die Ratsversammlung erhöhte mit einer Mehrheit aus Grünen, SPD und WSI die Grundsteuer B für Wohngebäude zum 1. Januar von 519 auf 630 Prozentpunkte. Die wedel-klartext-Redaktion erreichten daraufhin diverse Beschwerden – Grund genug, einmal da nachzufragen, wo der Grundsteuer-Hammer besonders die „kleinen Leute“ trifft, jene mit eher geringen Einkommen. Die EIGENHEIM Wohnungsbaugenossenschaft eG legte ihre Zahlen auf den Tisch.

EIGENHEIM-Geschäftsstellenleiter Christian-Christoph Ehrke spricht Klartext über die heftigen Belastungen von Wohnraum durch Steuern, Abgaben und Gebühren.
EIGENHEIM-Geschäftsstellenleiter Christian-Christoph Ehrke legte die Zahlen auf den Tisch. Die Genossenschaft hält in Wedel insgesamt 503 Wohnungen mit einer Gesamtmietfläche von 25.735,88 Quadratmetern. Während das Unternehmen in 2024 noch 90.533,33 Euro an Grundsteuern zahlte, sind es nach der Erhöhung jetzt 111.114,04 Euro – ein sattes Plus von mehr als 20 Prozent.
Jedoch: Die Kosten bleiben nicht an der Genossenschaft hängen, sondern diese „öffentlichen Lasten“ werden – mit einem Jahr Verzögerung – an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben. Das ist rechtens, denn diese Lasten können auf die Betriebskosten umgelegt werden.
Christian-Christoph Ehrke macht deutlich, was das konkret für die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer 2,5-Zimmer-Wohngen mit einer Mietfläche von 61,66 Quadratmetern bedeutet, die zu den häufigsten im Bestand gehören. „Im Jahr ist die Belastung seit 2024 von knapp 217 auf mehr als 266 Euro gestiegen. Jeder Mieter jede Mieterin zahlt Monat für Monat 22,18 Grundsteuer“, berichtete er.
Peanuts – aber es läppert sich…
Das sind rund vier Euro mehr im Vergleich zu 2024. Das klingt erstmal nach „Peanuts“, aber auch die Müllgebühren seien um neun und die Versicherung um sieben Prozent gestiegen. „Dazu die gestiegenen Gaspreise und die CO²-Umlage – das läppert sich“, weiß Ehrke und beschreibt die Emotionen vieler Mieter: „Die Krawatte wächst.“ Mehr noch: „Im vorigen Jahr hatten wir neun Mieter, die Privatinsolvenz angemeldet haben.“
Was den Geschäftsstellenleiter besonders nervt: „Wir als Wohnungsbaugenossenschaft müssen alle Erhöhungen über zehn Prozent detailliert darlegen und rechtfertigen – und die Stadt erhöht mal eben um 21 Prozent, ohne dass irgendetwas dagegen zu machen wäre.“
Ehrke macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Wir haben viele langjährige Mieterinnen und Mieter. Als sie einzogen waren es Familien mit Kindern – mittlerweile sind die Kinder erwachsen und oft Ehepartner verstorben. Da werden die 718 Euro warm dann zur doppelten Belastung.“ Er erlebe nicht selten, dass Alleinstehende die Wohnung freimachen wollen, um eine kleinere Wohnung zu beziehen. Doch beim angespannten Wohnungsmarkt in Wedel sei selbst eine kleinere Wohnung von der Kaltmiete doppelt so teuer.
Geld für Instandhaltung knapp

Neubauten der EIGENHEIM – für weitere sind die zu erwartenden Kosten derzeit einfach zu hoch.
Dass die Genossenschaft die Erhöhung einfach nicht an ihre Mieterinnen und Mieter weitergibt, ist für Ehrke indiskutabel: „Wir haben ohnehin schon zu wenig Geld für die Instandhaltung der Gebäude, was über die Kaltmiete finanziert wird. Wenn wir jetzt noch die öffentlichen Lasten daraus zahlen müssten, hätten wir noch weniger Mittel für Renovierungen und energetische Sanierung übrig.“ Die Kosten für eine Renovierung einer Zweieinhalb-Zimmerwohnung beim Mieterwechsel beziffert er auf etwa 9000 Euro. Ergo: Würden die „öffentlichen Lasten“ den Vermietern aufgebürdet, wie es auf der linken Seite des politischen Spektrums oft gefordert wird, würden die Kaltmieten steigen. Tasche links, Tasche rechts – am Ende zahlt immer die Mietpartei.
Trotzdem mühe sich die Genossenschaft zu investieren, um die Wohnungen aufzuwerten. An Neubauten, eventuell wie bei den Kollegen der „Adlershorst“, die an der Gorch-Fock-Straße ihren Altbestand abriss um mehr und moderne, energetisch bessere Wohnungen zu bauen, sei überhaupt nicht zu denken. Christian-Christoph Ehrke: „Die Baukosten sind immens gestiegen – und selbst falls wir zusätzliche Wohnungen bauen wollten, kommt dann erst einmal wieder die Stadt und fordert Geld – die Infrastrukturabgabe.“







